Stadtgespräch
Wussten Sie, ...
... dass die NÖ Landesausstellung schon zweimal Station in Wiener Neustadt gemacht hat?
1966: „Friedrich III. – Kaiserresidenz Wiener Neustadt“
Das erste Mal durfte die Allzeit Getreue am 27.Mai 1966 die Landeskunstausstellung „Friedrich III. – Kaiserresidenz Wiener Neustadt“ feierlich eröffnen. Der Empfang der geladenen Gäste wurde in der Militärakademie durchgeführt, wo man noch heute die Inschrift A.E.I.O.U., die auf Friedrich III. zurückgeht, an vielen Stellen findet. Unzählige Ehrengäste ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen. Die eigentliche Ausstellung fand im Kloster St. Peter an der Sperr statt, das davor aufwendig renoviert wurde – dadurch konnte dieses gotische Bauwerk in seiner Schönheit bis heute erhalten werden. Zusätzlich steckte man ca. eine Million Schilling in die Verschönerung der näheren Umgebung. Nun konnte Sie also beginnen, die Landesausstellung, die bis über die Landesgrenzen Beachtung fand und zahlreiche, unter ihnen auch sehr prominente Gäste anlockte. So besuchte Bundespräsident Franz Jonas am 18. August 1966 die Ausstellung und war von der Umsetzung sehr angetan. Auch ausländische Gäste, vom finnischen Botschafter bis zum Oberbürgermeister von Passau, konnte man empfangen, ebenso wie Größen der Theaterbühne wie Paula Wessely und Attila Hörbiger.
Zum Hintergrund
„A.E.I.O.U. - Austria est imperii cor et clipeus – Österreich ist des Reiches Herz und Schild. Dieser Ausspruch Rudolf des Stifters, dessen Taten noch heute das politische und kulturelle Antlitz Österreichs glückhaft bestimmen, war ein Bekenntnis zu Österreichs über seine Grenzen hinaus in den europäischen Raum hineinreichenden Verankerungen und Verpflichtungen. Denn das Reich war das Sacrum Romanum Imperium, das nationenverbindende und nationenerhaltende Ordnungsprinzip Europas durch Jahrhunderte“, so Dr. Theodor Piffl-Percevic, damaliger Bundesminister für Unterricht.
„Das gleiche Bekenntnis kleidet Friedrich III., der erste Österreicher, der die Kaiserkrone trug, in sein Bekenntnissymbol A.E.I.O.U. und ließ es in dieser Form hundertfältig in Steintafeln und über Torbögen meißeln. Dieses Bekenntnis bestimmte durch Jahrhunderte Österreichs Weg, legte
Österreich unsägliche Opfer für Europa auf, trug ihm hohen Ruhm ein. Des dritten Friedrich und der Kultur seiner Zeit zu denken, ist daher nicht nur die Pflicht der Österreicher aus Gründen ihrer wohlberechtigten Selbstachtung, sondern bedeutet auch ein Besinnen auf eine weiterdauernde, europäische Verknüpfung und Verpflichtung Österreichs in neuer, gewandelter Zeit“, so der Minister abschließend zu den Hintergründen der Landesausstellung.
Zum Inhalt
Die inhaltliche Bedeutung der Ausstellung beschrieb der niederösterreichische Landeshauptmann folgendermaßen: „Trotz blutiger Erbfolgekriege und wirtschaftlicher Rezession und, damit verbunden, einer furchtbaren materiellen Not, bedeutet das halbe Jahrhundert der Regierung Friedrichs III. für Österreich eine Zeit wichtiger Entscheidungen für die weitere geschichtliche Entwicklung unserer Heimat. Vieles, was seit der Gründung der Mark an der Donau den Babenbergern und Habsburgern als Ziel vorgeschwebt war, konnte Friedrich III., dem manche Historiker Lethargie, ja Faulheit vorwarfen, erreichen. Er war es, der dem großen Konzept Rudolf des Stifters, das im Privilegium Maius (= Großer Freiheitsbrief, Anm.d.Red.) festgelegt worden war, die reichsrechtliche Anerkennung gab und Österreich den Weg zur Eigenstaatlichkeit wies. Er erreichte die Erhebung von Wien und
Wiener Neustadt zu Bistümern und erbat vom Papst die Heiligsprechung des niederösterreichischen Landespatrons St. Leopold.
Was viele Geschichtsschreiber Apathie nannten, muss man in der Rückschau, an den politischen Erfolg des Herrschers gemessen, als weise Geduld und ungebrochenen Zukunftsglauben beurteilten. Als Friedrich 1493 starb, waren alle Länder des habsburgischen Erbes wieder in der Hand seines Sohnes Maximilian I. vereint. Das, was Friedrich mit Schlauheit und diplomatischem Geschick in die Wege geleitet hatte, führte dann 1515 zur berühmten Doppelhochzeit im Dom zu St. Stephan und wenige Jahre später (1526) nach der Schlacht bei Mohács zum Werden der großen österreichisch-ungarischen Monarchie.“
Die Landesausstellung dauerte bis Oktober 1966 an und konnte 85.000 Besucher verzeichnen und war deshalb für alle Beteiligten und die Stadt Wiener Neustadt ein voller Erfolg!
1979: „Die Zeit der frühen Habsburger – Dome und Klöster 1279-1379“
Das zweite Mal machte die NÖ Landesausstellung 1979 mit dem Thema „Die Zeit der frühen Habsburger – Dome und Klöster 1279-1379“ Station. Neben St. Peter an der Sperr diente dieses Mal auch der Wiener Neustädter Dom als Ausstellungsfläche und das aus gutem Grund: Die älteste Bischofskirche Niederösterreichs feierte damals ihr 700-Jahr-Jubiläum und man gedachte an die Zeit, als die Stadtpfarrkirche 1279 geweiht wurde und für Österreich ein neuer Zeitabschnitt begann. Mit den Habsburgern zog damals auch ein neuer Regierungsstil ins Land. Gleichzeitig kamen mit ihnen auch sehr starke künstlerische Impulse herein, die in unseren damaligen kulturellen Zentren, in erster Linie in den Klöstern, bald ihren Niederschlag gefunden haben. Die Ausstellung in Wiener Neustadt hatte sich deshalb die verdienstvolle Aufgabe gestellt, diese bis dato nicht genügend beachteten Zusammenhänge darzustellen. Die gebotenen Exponate, großteils Spitzenwerke abendländischer Kunst, sollten für die Besucher ein erlesener Genuss sein. Das zeigte sich bereits am Eröffnungstag, als sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Geistlichkeit, sowie aus Behörden und Kunst am 11. Mai im aufwändig renovierten Dom einfanden. Bei der Eröffnungsrede wurde betont, Wiener Neustadt mit der nun schon zweiten Landesausstellung, noch stärker als Kulturstadt in den Köpfen der Menschen zu verankern. Hauptverantwortlich für die Umsetzung der Ausstellung waren Frau Senatsrat Dr. Gerhartl, als kulturelle Repräsentatin der Ausstellungsstadt Wiener Neustadt, und Dr. Gottfried Stangler, als Koordinator der Kulturabteilung der niederösterreichischen Landesregierung. Es wurden unzählige Schriften und Forschungen von dem damals bereits verstorbenen Alphons Lhotsky herangezogen, weshalb auch ihm ein großes Verdienst gebührt.
Gliederung und Aufbau der Ausstellung
Die Ausstellung hatte zwei Schwerpunkte, einerseits die Würdigung des Domes zu dessen 700-Jahr-Jubiläum und andererseits dieses Ereignis im großen historischen Zusammenhang.
Im ersten Teil der Ausstellung war der Dom selbst das wichtigste Objekt. Die erst kurz davor abgeschlossene Restaurierung hatte dem Bauwerk seine ursprüngliche Schönheit zurückgegeben. Unter der Westempore war nun die Ausstellung eingerichtet. Sie illustrierte die Schicksale des Domes bis zur Gegenwart. Von 1465 bis 1788 war er Sitz des Bischofs von Wiener Neustadt. Besonderes Interesse hatte auch die Dokumentation der Grabungen gefunden.
Der zweite Teil der Ausstellung wurde in der ehemaligen Klosterkirche St. Peter an der Sperr eingerichtet. Im Kreuzgang wurde der Besucher zunächst mit dem äußeren Ablauf der behandelten 100 Jahre vertraut gemacht: Ereignisse der Zeit, territorale Veränderungen, kirchliche und genealogische Verhältnisse waren auf zahlreichen Tafeln dargestellt. Originalgroße Farbdias der berühmten Stifterscheiben von Königsfelden stellten Beziehungen zur Genealogie (=Ahnenforschung, Anm.d.Red.)wie zur Kunst her.
Die Kunstwerke wurden nicht, wie sonst üblich, nach Materialien getrennt, sondern gemäß der Stilentwicklung angeordnet. Sehr reich waren Glas- und Buchmalerei vertreten, aber auch einige kostbare Tafelbilder, Plastiken und Textilien wurden teilweise zum ersten Mal in Österreich ausgestellt. Dadurch bestand die Möglichkeit zu stilistischen Vergleichen, wie man sie bisher noch nicht hatte.
Die Wanderung durch die Kunstentwicklung erfolgte rund um die „Schatzkammer“. Die Schatzkammer selbst enthielt die schönsten Werke der im 14. Jahrhundert besonders hoch entwickelten Goldschmiedekunst. Hier erwartete den Besucher ein besonders ästhetisches Erlebnis. Hatte er die Schatzkammer verlassen, fand er zunächst in einigen Vitrinen die wichtigsten Zeugen der Literatur und sodann im Chor der Kirche die Fortsetzung der historischen Dokumentation, wiederum nach Sachgruppen geordnet. Sowohl einzelne Personen unter den frühen
Habsburgern wurden hier dargestellt wie auch bestimmte Stiftungen und Klöster, und schließlich auch geistige Phenomäne, wie etwa die Mystik oder Ketzer- und Judenverfolgungen. Im Chor der Kirche hatten auch die monumentalen Kunstwerke ihre Aufstellung gefunden, deren drei wichtigste im Mittelpunkt die Blicke auf sich zogen: die Figuren von der Grabtumba Herzog Rudolfs IV., das Antependium aus Königsfelden und die Tafelbilder von der Rückseite des Verduner Altars. Nach dem Rundgang durch den Chor passierte der Besucher den Schlusspunkt der Ausstellung, den Teilungsvertrag von Neuberg.
Auch die Landesausstellung 1979 endete mit einer beeindruckenden Besucherbilanz von 116.316 und jeder Menge positiver Stimmen von Seiten der Medien und der Bevölkerung.
Quellen:
Ausstellungskataloge: „Friedrich III. – Kaiserresidenz Wiener Neustadt“ und „Die Zeit der frühen Habsburger – Dome und Klöster 1279-1379“; Rathauskorrespondenz zu den Ausstellungen aus 1966 und 1979.
Hier finden Sie alte Medienberichte zu den Ausstellungen aus 1966 und 1979 zum Download!
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