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    Stadtgespräch

    wusstensie, Die Domglocken

    Wussten Sie, ...

    Von Caroline Mempör

    Jenes Werk, das heute noch eines der bedeutendsten, und eines­ der wenigen, über die Domglocken von Wiener Neustadt ist, stammt aus dem Jahr 1836. Der Autor, Karl Fronner, war damals der Verwalter der Armenkasse und ein kunstinteressierter Mann. Er half bei der von Bürgermeister Felix Mießl in Auftrag gegebenen Erfassung der Kunstdenkmäler von Wiener Neustadt. 1836 erschien das Werk „Monumenta Novae Civitatis“ (Bauten der Neuen Stadt), das auch Beiträge über die alten und die neuen Domglocken enthält. Ein Faksimile des Buchs ist heute im Stadtarchiv zugänglich.

    Die alten Glocken

    Im Wesentlichen gab es fünf Glocken im Dom zu Wiener Neustadt: Die große Glocke, die laut dem damaligen Turmwächter 97 Zentner wog, das entspricht heute rund 5.000 Kilogramm. Sie zeigt eine männliche und eine weibliche Kaiserfigur und die Muttergottes, der die Kirche geweiht war. Die zweitgrößte war die Predigtglocke, danach kam die so genannte Segenglocke mit der Aufschrift „Deus custodiat, protegat, defendat, feveat, benedicat“ (Gott wacht, schützt, verteidigt, formt, segnet). Im vierten Rang befand sich die Ratsglocke, die zur Ratsversammlung läutete. Sie wurde auch „Halunkeneder“ genannt, da sie außerdem noch zum Zeichen für die Sperre des Stadttors gebraucht wurde.

    Ein verheerender Brand wütet in der Stadt

    Alle diese Glocken wurden beim großen Stadtbrand am 8 September 1834 zerstört: Sie stürzten von den Türmen, als der Dach- und Glockenstuhl vom Feuer erfasst wurden. An diesem Tag wurden in Wiener Neustadt auch Teile des Rathauses, das Dach des Neuklosters und viele Bürgerhäuser zerstört. Überstanden haben die Katastrophe jedoch die beiden kleineren Glocken im Dom: Das neu gegossene Bräunglöckel, das 1821 – übrigens in Gegenwart von Karl Fronner – geweiht wurde und nach der Bräunkrankheit (heute Diphterie) benannt wurde; Es befand sich laut Fronner über dem „Thurmwächter Häusl“. Außerdem gab es auch nach dem Brand noch das Zügen- oder Sterbeglöckel, das im großen Glockenturm dem damaligen Spital zugewandt war.

    Die neuen Glocken

    Trotz der schweren Beschädigungen durch den Brand 1834 konnte Karl Fronner schon zwei Jahre später von den neuen Domglocken berichten. Es wurde eine neue große Glocke angeschafft, die mit 95 Zentnern nur unwesentlich leichter war als ihre Vorgängerin und wieder auf die Heilige Jungfrau Maria verwieß. Die Segen- und die Predigtglocke wurden durch gleichwertige Glocken ersetzt, auf der zweiten befindet sich die Aufschrift: „Im wuethendsten Feuer bin ich zwar leicht zerflossen (1834). Erneuert ruf ich wieder jetzt. Eilet zur Feier, zum Feuer, zur Leiche.“ Die vierte und kleinste, die ehemalige Ratsglocke, zeigt die Inschrift: „Die unerhört grässliche Feuersbrunst vertilgte mich zwar (1834). Erneuert rufe ich jeden jetzt wieder zur Anbetung der göttlichen Liebe.“ Sie wurde 1836 in Salzburg neu gegossen. Die Glocke im kleinen Türmchen (vermutlich der Wächterturm), die den Brand überstanden hatte, ist im Dom verblieben und war Karl Fronner 1836 unter dem Namen „Messglöckel“ bekannt.

    Das Zuhause der Glocken: der Glockenturm

    Neben den Inschriften über das Feuer waren und sind sowohl auf den alten, als auch auf den neuen Glocken noch unzählige andere Inschriften zu sehen. Meist sind sie in Latein verfasst und beziehen sich auf Herrscher, Stifter, Kirchen­obere, Heilige oder den jeweiligen Glockengießer. Auch Bilder waren teilweise zu sehen. Beides, Abbildungen wie Inschriften, verdeutlichen auch die wechselvolle Geschichte der Stadt und der Glocken selbst. Die letzten Jahrzehnte verliefen für das Geläut des Wiener Neustädter Doms eher ruhig. Davor war für sie aber – nach dem großen Stadtbrand – noch ein „Umzug“ zu bewältigen, denn die beiden Domtürme mussten 1886 abgebaut und bis Ende des 19. Jahrhunderts neu errichtet werden. Erdbeben hatten sie so schwer beschädigt, dass dies nötig geworden war. Den Glocken konnte das jedoch nichts mehr anhaben: Sie läuten heute noch Messen, Hochzeiten und andere Anlässe ein.

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 10/09

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