Stadtgespräch
Wiener Neustadt ist weiter als Kopenhagen!
Von Sonja Knotek
Während die wichtigsten Politiker und Experten bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen (siehe Infobox) in der Klimaschutz-Frage kaum zu zufriedenstellenden Ergebnissen gekommen sind, hat die Stadt Wiener Neustadt ihre Hausaufgaben schon in den letzten Jahren gemacht. Eine Vielzahl von Maßnahmen zeugt vom Umwelt- und Klimabewusstsein der Stadtgemeinde und bringt Wiener Neustadt in die Top-Liga der „CO2-Einsparer“. Wir haben für Sie die wichtigsten Eckpunkte der „Allzeit Getreuen“ am Weg zur „energieautarken Stadt“ zusammengestellt und machen gleichzeitig einen Ausblick in die Zukunft.
Solare Warmwasseraufbereitung auf der Abfallbehandlungsanlage
Seit 2002 betreibt die wnsks eine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung auf der Abfallbehandlungsanlage. Der gesamte Warmwasserbedarf für über 100 Mitarbeiter wird damit abgedeckt Seit Inbetriebnahme der Anlage konnte bis dato 30.000 Kilowattstunden an fossiler Energie ersetzt werden. Das entspricht etwa einer Einsparung von 3.000 Kilogramm CO2 und trägt zur Feinstaubentlastung bei.
Mechanisch-biologische Abfallbehandlung
Die wnsks führt die Müllentsorgung für zirka 110.000 Einwohner aus dem Bezirk und der Stadt Wiener Neustadt durch. Im Jahr 2004 ist die wnsks von der bis dahin durchgeführten Deponierung von Restmüll auf eine mechanisch-biologische Abfallbehandlung umgestiegen. Geht man davon aus, dass von einer Tonne deponierten Restmülls insgesamt rund 94 Kilogramm Methangas freigesetzt werden und bei der mechanisch-biologischen Behandlung nur zirka 6,2 Kilogramm (nach Prof. Albert Hackl von der Technischen Universität Wien), können bei einer Restmüllmenge von ungefähr 24.000 Tonnen jährlich rund 2.100 Tonnen Methangas-Emissionen eingespart werden. Da diese 21 mal so viel zum Treibhauseffekt beitragen wie CO2, entspräche diese Abfallbehandlung einer Einsparung von insgesamt 44 Millionen Kilogramm, was ein CO2-Äquivalent von 44.000 Tonnen pro Jahr ergibt.
Gebäudesanierung Bestattung und Friedhof
Bei der Bestattung der wnsks wurden in den vergangenen Jahren Gebäudesanierungen mit Wärmedämmungen und Heizungsanlagenerneuerungen beim Verwaltungsgebäude am Ferdinand Porsche-Ring und bei der Aufbahrungshalle am Friedhof durchgeführt. Als Gesamtresultat können nun jährlich zirka 100.000 Kilowattstunden an Energie in Form von Erdgas eingespart werden. Das entspricht einer Emissionsreduktion von rund 10.000 Kilogramm CO2 pro Jahr und ist zudem praktisch feinstaubfrei.
Energieholz der Forste
Die wnsks bewirtschaften zirka 1.300 Hektar Forstflächen. Sämtliche Flächen sind Natura 2000-Gebiete. Neben der Erholungs- und Schutzfunktion für die Bevölkerung erfüllen die Wälder eine wichtige Schutzfunktion für unser Trinkwasser und sind Garant für die Erhaltung der heimischen Tier- und Pflanzenvielfalt. Im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung trägt der Einstieg in eine vermehrte Energieholznutzung auch zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz bei. Die energetische Nutzung von Holz setzt nur soviel CO2 frei, wie vorher beim Wachstum der Atomsphäre entzogen wurde.
Bodenverbesserung durch Kompostaufbringung im Steinfeld
Seit dem Frühjahr 2004 werden jährlich rund 3.500 bis 4.000 Tonnen Kompost der Güteklasse A+ (erzeugt von der Abfallwirtschaft der wnsks aus den Biotonneninhalten) auf den Flächen des Gutshofes ausgebracht. Im Jahr 2005 wurde die Wiener Neustädter Stadtwerke und Kommunal Service GmbH für das Projekt „Bodenverbesserung durch Kompostausbringung im Steinfeld“ mit dem Klimabündnispreis ausgezeichnet.
Umstellung der Busflotte auf Gasmotoren und eigene Biogasproduktion
Seit rund zwei Jahren werden im Rahmen der Neubeschaffung die Linienbusse des städtischen Verkehrsbetriebes sukzessive auf Gasmotoren umgestellt. Derzeit sind bereits fünf Gasbusse im Einsatz. Jährlich sollen nun die Busse, die aus dem operativen Betrieb (auf Grund ihres Alters) ausgeschieden werden, durch neue, ausschließlich mit Gas betriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Durch die zukünftige Eigengasproduktion der Biogasanlage werden rund 660.000 Liter Dieseltreibstoff eingespart. Dies hat eine Reduktion von zirka 1.800 Tonnen CO2 pro Jahr zur Folge.
Quelle:
Peter Eckhart, Geschäftsführer Wiener Neustädter Stadtwerke und Kommunal Service GmbH
Die Erderwärmung soll unterhalb von zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gehalten werden. Dazu hatten sich die 20 wichtigsten Industriestaaten der Welt bereits im Sommer verpflichtet. Zwei Grad gelten nach Erkenntnissen des UNO-Klimarats als absolute Obergrenze, wenn massive Schäden durch den Klimawandel verhindert werden sollen.
Die weltweiten Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2050 um die Hälfte gesenkt werden.
Die meisten Emissionen sollen in den Industrieländern eingespart werden. Diese sollen ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent herunterfahren. Ob es auch bis zum Jahr 2020 konkrete Reduktionsziele der Industrieländer gibt, ist noch nicht sicher.
Konkrete Angaben hinsichtlich der Summen zu langfristigen finanziellen und technologischen Mitteln für die Entwicklungsländer gibt es nicht, sondern lediglich die Zusicherung, dass die Hilfe „angemessen, vorhersehbar und nachhaltig“ sein müsse.
Um an das Geld für Hilfszahlungen zu kommen, ist auch der Handel mit Verschmutzungsrechten möglich. Für die Periode zwischen 2010 und 2012 sollen jedes Jahr zehn Milliarden Dollar Hilfszahlungen fließen. Ab 2020 werden 100 Milliarden Dollar pro Jahr angepeilt.
Entwicklungsländer verpflichten sich dazu, zumindest das Wachstum ihres CO2-Ausstoßes zu begrenzen. Die Rede ist von einem Minus von 15 bis 30 Prozent – gemessen an einer Wirtschaftsentwicklung, bei der kein besonderer Wert auf CO2-Reduktion gelegt werden würde („business as usual“).
Entwicklungs- und Schwellenländer sollen sich verstärkt um den Waldschutz kümmern, um die dadurch entstehenden CO2-Emissionen zu senken.
Quelle: spiegel.de








