Stadtgespräch
Schule „großer Denker“
Am 15. September 1910 wurde die Errichtung des heutigen Bundesgymnasiums Babenbergerring nach nur einem Jahr Bauzeit abgeschlossen und es wurde 3 Tage später, am 18. September 1910, feierlich eröffnet. Damals war es ein reines Knabengymnasium, Mädchen waren noch lange nicht zugelassen. Den Ersten Weltkrieg hatte das Gymnasium relativ glimpflich überstanden, doch im Zuge des Zweiten Weltkriegs erhielt das Gebäude bei einem Fliegerangriff am 14. März 1945 auf Wiener Neustadt schwere Bombentreffer, denen der Südtrakt mit der Direktionskanzlei, dem Konferenzzimmer, der Lehrer- und Schülerbibliothek sowie die Schulwartwohnung zum Opfer fielen. Seit 1944 war das Gymnasium als Kriegslazarett verwendet worden. Krankenschwestern und Patienten konnten sich noch rechtzeitig in die Luftschutzkeller retten, zwei Ärzte wurden jedoch tragischerweise unter den Trümmern begraben.
2. Weltkrieg: Lehrermangel & Bombenschäden
Der Unterricht wurde nach diesem folgenschweren Angriff in der benachbarten Realschule (heute BORG) im Zuge eines Gemeinschaftsunterrichts fortgeführt. Ein Grund dafür war auch der Lehrermangel, denn viele der Professoren waren gefallen oder befanden sich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Hitler-Regimes hatten zahlreiche Professoren als ehemalige Nationalsozialisten Berufsverbot. Im Schuljahr 1947/48 wurden die Gymnasialschüler wieder von den Realschülern getrennt, da zahlreiche neue Lehrer eingestellt werden konnten. Der Unterricht erfolgte nun schichtweise: Für Gymnasiasten montags, dienstags und samstags von 13.30 bis 18.30 Uhr sowie mittwochs, donnerstags und freitags von 7.45 bis 13.10 Uhr.
Das BG Babenbergerring und die Künstlervereinigung
Nach Kriegsende wurde mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht die „Wiener Neustädter Künstlervereinigung“ ins Leben gerufen. Die erste Weihnachtsausstellung der Künstlervereinigung fand 1946 in den Räumlichkeiten des BG Babenbergerring statt. Ab diesem Zeitpunkt folgten regelmäßig weitere Ausstellungsprojekte der Künstlervereinigung im Gymnasium.
Schülermangel nach dem Wiederaufbau
Der Wiederaufbau des alten Schulgebäudes wurde nun vorangetrieben. Bereits im Herbst 1949 war das Gymnasium wiederhergestellt. Schüler und Lehrer konnten endlich wieder in ihre angestammte Schule zurückkehren. Am 26. September 1949 wurde der Unterricht am Babenbergerring erneut aufgenommen. Zwischen 1953 und 1969 kam es zu zahlreichen Renovierungen und Veränderungen am BG Babenbergerring. Grund dafür waren vor allem Bestrebungen, das Gymnasium in die Räumlichkeiten der Hauptschule am Areal der Militärakademie zu verlegen und aus dem BG Babenbergerring eine Hauptschule zu machen. Die Zahl der Gymnasiasten war in dieser Zeit stark rückläufig: Im Jahr 1951 gab es zum Beispiel nur 6 Maturanten! 1955 waren es dann 8 und 4 Jahre später wieder nur mehr 6. Bis 1966 pendelte sich die Zahl der Absolventen auf 8 bis 17 jährlich ein. Dem gegenüber stand eine starke Zunahme an Hauptschülern. Doch wurde dieser Plan dennoch dank massiven Widerständen aus dem Elternverein niemals umgesetzt.
Schenkung an die Republik
Am 2. Jänner 1956 wurde das BG Babenbergerring von der Stadtgemeinde der Republik Österreich auf dem Schenkungsweg übertragen. Der Schätzwert betrug zu diesem Zeitpunkt 3.630.000 Schilling. Damit begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Schule: Von nun an oblagen sämtliche bauliche Veränderungen und Erneuerungsarbeiten nicht mehr der Stadtgemeinde Wiener Neustadt, sondern dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst (bzw. damals dem Handelsministerium als Geldgeber und der NÖ Landesregierung als Bauherrn).
1964: erstmals Mädchen aufgenommen
1964 wurden erstmals Mädchen am BG Babenbergerring aufgenommen. Die Schülerzahlen stiegen wieder und es kam mit der Zeit sogar zu regelrechtem Platzmangel im Schulgebäude. 1979 gab es bereits mehr Mädchen als Burschen am BG Babenbergerring und es mussten bereits jährlich 4 erste Klassen geführt werden. Anfang der Siebziger-Jahre wurde dem Raumproblem durch Wanderklassen begegnet.
Unvergessliche „Stahlschule“
Auch die so genannte Stahlschule, eine ebenerdige VÖEST-Baracke gegenüber der Doppelturnhalle, wurde für den Unterricht verwendet. Viele Schüler behielten die Stahlschule als urig in Erinnerung: Wenn es regnete, mussten Kübel aufgestellt werden, um das Wasser aufzufangen, oder es fiel im Winter die Zentralheizung aus, Strom- und Lichtausfälle waren an der Tagesordnung, Schlingpflanzen wuchsen bei den Fenstern herein und so weiter.
1980: gefährliche Fundamentsenkung
Anfang 1980 erlitten sowohl Lehrer- als auch Schülerschaft einen Schock: Teile des Fundaments des Turnsaals hatten sich plötzlich gesenkt und man konnte durch einen rund 3 Zentimeter breiter Spalt zwischen Fundament und Außenmauer ins Freie sehen. Dies war die Konsequenz dessen, dass der nordöstliche Teil des Gymnasiums (Turnsaal und Festsaal) im Bereich des einstigen Stadtgrabens gebaut wurden, der damals einfach nur zugeschüttet worden war. Innerhalb kurzer Zeit war die gesamte Statik des Nordostteils der Schule in Gefahr und im Festsaal zeigten sich schon vermehrt Risse in den Wänden. Das Fundament musste nun von außen unterfangen werden. Tiefe Grabungen waren hierfür nötig, wobei der damalige Professor Josef Frühbeck im Aushubmaterial sogar einen historischen Topf fand.
Errichtung des Zubaus
Weitere groß angelegte Umbauten wurden zwischen 1982 und 2002 durchgeführt. In den Achtziger-Jahren kam es zu einer Generalsanierung des Altgebäudes und der Doppelturnhalle sowie zur Errichtung eines hakenförmigen Zubaus bis zum Wohnhaus Reyergasse 19. Die Bauarbeiten dauerten mehrere Jahre, sodass bis Ende der Achtziger-Jahre ein Teil der Schüler weiterhin in der alten Stahlschule untergebracht werden musste. 1989 wurden die Bauarbeiten endgültig abgeschlossen. Im neuen Zubauteil wurden die Unterstufenklassen, Sonderräume für Naturwissenschaften, ein EDV-Raum, Handarbeitsräume und eine Küche mit Speisesaal für Tageskinder untergebracht. Die Wandflächen des Neubaus wurden von den Schülern unter Anleitung von Professor Gotthard Fellerer künstlerisch gestaltet.
Die Informatik-Ära
In den Neunziger-Jahren wurde der Mangel an Informatikklassen zu einem echten Problem. Beim großen Umbau der Schule bis 1989 war nur ein Informatiklehrsaal im 2. Stock des neuen Nordosttraktes vorgesehen, doch mit der Einführung des Schulversuchs Informatik ab September 1989 zeigte sich bald ein starker Mehrbedarf. Ein zweiter Informatiksaal wurde im Bereich der bisherigen zweiten Aula an der Hauptstiege im 2. Stock eingerichtet. Später mussten sogar noch zwei weitere Informatiksäle geschaffen werden. Das Computerzeitalter veränderte aber auch die Unterrichtsmethoden am BG Babenbergerring. Zusätzlich zum humanistischen und neusprachlichen Gymnasium wurde weiters ein Informatikgymnasium eingerichtet. In dem Zuge wurden alle Klassen an ein internes Netzwerk angebunden. Auf diese Weise entstand ein internes Bildungsnetz mit Zugriff auf verschiedene Bildungsressourcen.
Das BG Babenbergerring heute
Heutzutage ist das BG Babenbergerring eine hochmoderne Schule, die sich jedoch absichtlich deutlich von BHS und HTL abheben will. „Der Mensch lebt nicht allein von seiner Brauchbarkeit, er hat auch eine kulturelle Verantwortung“, so Direktorin Mag. Maria Kornfeld, die gerade in unserer Zeit „große Denker“ vermisst. „Ziel unserer Schule ist, die Schülerinnen und Schüler auf eine akademische Ausbildung bestmöglich vorzubereiten“, so Kornfeld weiter: „Und gerade in diesem Bereich sind ein hohes Maß an Allgemeinwissen sowie das Vermitteln von wissenschaftlichen und philosophischen Ansätzen enorm wichtig.“ Vor einiger Zeit hätte es Bestrebungen gegeben, den Lateinunterricht am Gymnasium abzuschaffen, doch sei dies Gott sei Dank nicht durchgesetzt worden. „Latein bereitet auf andere Sprachen vor“, so Kornfeld: „Außerdem haben lateinische und auch altgriechische Dichter ein hohes philosophisches Potenzial in ihren Schriften, das in der Oberstufe einen guten Diskussionsstoff bietet.“
In der Unterstufe des BG Babenbergerring werden Englisch und Informatik (schulautonomer Pflichtgegenstand bis zur 4. Klasse) ab der 1. Klasse sowie Latein ab der 3. Klasse unterrichtet. In der Oberstufe können die Schüler dann zwischen dem humanistischen Gymnasium (Altgriechisch als 3. Fremdsprache ab der 5. Klasse), dem neusprachlichen Gymnasium (Französisch als 3. Fremdsprache ab der 5. Klasse) sowie dem Informatikgymnasium (keine weitere Fremdsprache, dafür Informatik sowie Präsentationstechnik und Projektmanagement ab der 5. Klasse) wählen. Zahlreiche spezielle laufende Projekte, wie E-Learning, Unternehmerführerschein, Cambridge Certificate oder mathematische Bildung, runden das Unterrichtsangebot des BG Babenbergerring ab.
Der Absolventenverband
Viele ehemalige Absolventen beehren ihre Schule im Rahmen von Veranstaltungen des Absolventenverbands auch jederzeit gerne wieder. So zum Beispiel der bekannte österreichische Kabarettist Viktor Gernot, der im Mai zu einem Maturantencocktail zu Gast war. Ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt dieses Jahres war das Griechisch-Forum „Antike heute“ mit hochrangigen Ehrengästen, wie Univ.-Prof. Werner Schulze von der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, Ass.-Prof. Odd Lund von der Musikhochschule Oslo sowie dem aus Südindien stammenden Musikheiler und Priester Johnson Vettoonickal.
Mehr zu den Veranstaltungen des Absolventenverbands finden Sie unter:
www.av.bg-bab.ac.at
Mit freundlicher Unterstützung von Direktorin Mag. Maria Kornfeld















