Stadtgespräch
Der grüne Lichtblick an grauen Herbsttagen
Wenn das Selbstverständliche viel Aufwand erfordert.
Von Anja Trapper
Verantwortlich für die Gestaltung und liebevolle Pflege der Grünflächen zeichnet die Wiener Neustädter Stadtgartenverwaltung. Rund 65 Personen widmen sich rund 2.200 - 2.500 Stunden pro Woche dem 120 Hektar umfassenden „Grünen Wiener Neustadt“. Ungefähr 20 dieser 65 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind dabei saisonal, das heißt, zirka acht Monate pro Jahr, angestellt.
Unauffällig, aber unabdingbar
Die Tätigkeiten der Wiener Neustädter Stadtgartenverwaltung erstrecken sich aber nicht nur ausschließlich auf das Anlegen, die Betreuung und Reinhaltung der Grünflächen. Auch die Errichtung und Instandhaltung der öffentlichen Spielplätze, die Erhaltung und Pflege der infrastrukturellen Einrichtung öffentlicher Grünflächen (Parkbänke, Wasseranlagen und Wege) sowie eines Kleintierzoos im Stadtpark (Bären, Schafe und Hühner) fallen in den Zuständigkeitsbereich der Stadtgartenverwaltung. Die Tischler, Mechaniker und Installateure unter den Mitarbeitern kümmern sich zudem um technische Reparaturen. Weiters werden pro Jahr insgesamt zwischen 150 und 200 Bäume gesetzt; zusätzlich gilt es, die stolze Anzahl von rund 9.000 Bäumen, an deren Anblick sich aufmerksame Spaziergänger schon mehrere Jahre erfreuen können, auf ihre Robustheit zu überprüfen, um zu gewährleisten, dass diese kein Sicherheitsrisiko für vorbeigehende Parkbesucher und Passanten darstellen. Zu den besonders beliebten Baumsorten zählen die heimische Esche und Linde sowie die exotischen Arten Akazie und Schnurbaum, die aufgrund ihrer Beschaffenheit auf dem trockenen Wiener Neustädter Untergrund besonders gut gedeihen. Das Pflanzensortiment hingegen variiert ständig und zeichnet sich somit durch Abwechslungsreichtum aus. Unter den 80 bis 100.000 Pflanzen, die jährlich gesetzt werden, finden sich jedoch häufig Begonien und Pelargonien.
Schön, aber trotzdem nützlich
Interessierten Fußgängern werden mitunter schon das ein oder andere Mal dekorativ gestaltete Hausmauern, die von den verschiedensten Schlingpflanzen geschmückt werden, ins Auge gestochen sein. Derartige ornamental verzierte Fassaden nennt man „vertikale Gärten“. Gewächse wie Efeu und der wilde Wein bahnen sich seit eh und je, ob gewollt oder ungewollt, ihren Weg zu Häusergiebeln. In der Zeit der deutschen Romantik erfreuten sie sich aus Gründen der Ästhetik besonderer Beliebtheit. Heute wissen derartige Gartenbesitzer auch um den ökologischen Wert und Nutzen dieser „grünen Wände“. Als positive Aspekte der Fassadenbegrünung gelten kalkulierte Wärmegewinnung und –verlust (gemäß den unterschiedlichen Jahreszeiten), Regulation der Feuchtigkeitswerte, erhöhte Luftfeuchtigkeit, die Absorption von Gasen sowie die vorübergehende Fixierung von Staub, wodurch die städtische Luftverschmutzung reduziert wird. Paris zählt zu den Pionieren auf dem Sektor vertikaler Gärten. Im Bewusstsein dieser positiven Effekte, welche die Lebensbedingungen der Stadtbewohner nachhaltig zu verbessern im Stande sind, hat die Hauptstadt Frankreichs im Jahr 2006 in ihrem städtebaulichen Regelwerk konkrete Maßnahmen fixiert, um die Anlage vertikaler Gärten zu forcieren. Dies hatte die Schaffung 39 vertikaler Gärten im selben Jahr zur Folge. In Wiener Neustadt hingegen obliegt die Kreation der grünen Fassaden nicht der Stadtgartenverwaltung, sondern geht bislang auf Privatinitiativen zurück. In Zusammenschau mit den Parkanlagen und dem Straßenbegleitgrün, wofür die Stadtgartenverwaltung verantwortlich zeichnet, und den Kleingartenanlagen ergibt sich die mannigfaltige Naturidylle von Wiener Neustadt.
Wer also demnächst nach einer ausgiebigen Joggingrunde erschöpft auf den grünen Wiesen im Milakpark Rast macht oder einen entspannten Spaziergang durch die Schmuckerau unternimmt, der möge einen Moment innehalten und den Anblick, der sich ihm bietet, aktiv wahrnehmen - in dem Bewusstsein, dass es sich dabei um keine Selbstverständlichkeit handelt.
Quellen:
Stadtgartenverwaltung, Referatsleiter Ing. Norbert Dallinger
Tel: 02622 / 373-690
www.wiener-neustadt.gv.at/p-448.html
Christa Aue - Vertikale Gärten und grüne Wände greifen um sich in Paris
www.biotope-city.net





