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    Stadtgespräch

    buergermeister, buergermeister

    Bürgermeister schreiben Geschichte

    2700 präsentiert die Stadtoberhäupter von Wiener Neustadt seit dem Jahr 1900.

    1897 bis 1913
    Franz Kammann

    Von 1897 bis 1913 stand als Repräsentant der damals­ in Wiener Neustadt tonangebenden deutschnatio­nalen Partei Franz Kammann an der Spitze der Stadtverwaltung. In seiner Amtszeit erhielt die Stadt einen­ modernen­ Schlachthof, das Sanatorium entstand als Zubau zum Krankenhaus und der Wasserturm wurde­ errichtet. Kammann verwirklichte weiters sein Kasernen­bauprogramm: 1903 sind das Truppen­spital und die Kavalleriekaserne fertiggestellt worden, 1904 die Militärreitschule, 1911 die Artilleriekaserne. Wiener­ Neustadt entwickelte sich in der Ära Kammann zu einem­ der bedeutendsten Garnisonsorte des Landes­ Niederösterreich. Im Jahre 1909 wurde in Wiener Neustadt­ das erste offizielle österreichische Flugfeld angelegt. Dies hatte zur Folge, dass im Jahr 1917 in Wiener Neustadt die erste Fliegerkaserne der Mo­nar­chie gebaut wurde. Zur Behebung der drückenden Wohnungsnot der hiesigen Arbeiterschaft stellte die Stadtgemeinde im Jahr 1907 Grundparzellen zu äußerst günstigen Bedingungen für den Bau von 14 Arbeiterwohnhäusern zur Verfügung.

    1913 bis 1918
    Viktor Praschek

    Der Erste Weltkrieg bedeutete für die Zivilbevölkerung schwerste Not und Entbehrungen. Die Geduld der besonders arg betroffenen Arbeiterschaft ging allmählich zu Ende. Es waren die Arbeiter der Wiener Neustädter­ Daimler-Werke, die schließlich den Auftakt zum großen­ Streik gaben. Am 14. Jänner 1918 zogen Arbeiter der großen Fabriken der Stadt zum Rathaus. An die 10.000 Menschen demonstrierten für bessere­ Lebensmittel­versorgung und baldigen Friedensschluss. Der „Jänner­streik“ brach zwar nach 10 Tagen zusammen,­ erregte aber dennoch Aufsehen und zwang die Regierung, die herrschende Kriegsmüdigkeit zur Kenntnis zu nehmen. Nach Abschluss eines Waffenstillstandes am 3. November 1918 zog sich Kaiser Karl am 11. November von den Staatsgeschäften zurück. Die in Wien zusammengetretene Provisorische Nationalversammlung fasste am 12. November 1918 einstimmig den Beschluss, Deutschösterreich zur Republik zu erklären. Wie in Wien wurde auch in Wiener Neustadt am 12. November 1918 von Bürgermeister Praschek am Rathaus die Republik ausgerufen. In der Gemeinderatssitzung vom 29. November legte der deutsch­nationale Bürgermeister Viktor Praschek sein Amt nieder.

    1918 bis 1934
    Anton Ofenböck

    Am 29. November 1918 war der Sozialdemokrat Anton­ Ofenböck, ein Redakteur der Zeitung „Gleichheit“ und seit 1913 Vizebürgermeister, zum Bürgermeister der Stadt Wiener Neustadt gewählt worden. Der neue Gemeinderat bemühte sich vor allem um die Schaffung sozialer Einrichtungen: Für die infolge kriegsbedingter­ Unterernährung bedrohten Kinder der Stadt wurde 1919/20 im Wiener Neustädter Föhrenwald eine Heilstätte errichtet, die in Verbindung mit einer Schule, der „Waldschule“, geführt wurde. Weiters wurde während Ofenböcks Amtszeit die Geburtshilfe-Abteilung des städtischen Krankenhauses gegründet. In den Jahren 1926 bis 1928 wurde der Zubau des Krankenhauses errichtet. Für die Schulkinder des Zehnerviertels baute­ die Stadt die 1928 eröffnete „Pestalozzi-Schule“. Im Jahre 1922 wurde die städtische Bücherei eröffnet. Infolge der Verschlechterung der wirtschaftliche Situation in den Zwanziger und Dreißiger-Jahren kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den, von den großen politischen Parteien des Landes aufgestellten paramilitärischen Verbänden – Heimwehr und Schutzbund. Nach dem Zusammenbruch des vom Republi­kanischen Schutzbund vorbereiteten Aufstandes­ am 12. Februar 1934 wurde auch die bisherige Gemeindevertretung Wiener Neustadts aufgelöst. Bürgermeister Anton Ofenböck wurde abgesetzt und im Anhaltelager Wöllersdorf interniert.

    1934 bis 1938
    Prof. Hans Zach

    In der Amtsperiode von Bürgermeister Hans Zach kehrte­ im Sommer 1934 die Militärakademie, die nach dem Zerfall der Monarchie und der Gründung der Republik in Enns als „Heeresschule“ geführt worden war, in die Wiener Neustädter Burg zurück. Eine wichtige bauliche­ Erweiterung erfuhr das Krankenhaus in den Jahren 1936/37: Für die neu geschaffene Gynäkologische Abteilung konnte ein großzügiger moderner Zubau errichtet werden. Anlässlich der Renovierung der Rathausfassade (1936 bis 1937) wurden am Haus Hauptplatz 3 sieben Sgraffiti (Technik zur Bearbeitung von Wandflächen durch die Auflage verschieden­farbiger Putzschichten, Anm. d. Red.) des Bildhauers Prof. Hans Vonmetz angebracht. Die Ära von Bürgermeister Zach endete mit dem von Adolf Hitler befohlenen Einmarsch deutscher Truppen in Österreich und der am 13. März 1938 erfolgten Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich. Zach wurde festgenommen.

    1938 - 1945
    Dr. Edmund Scheidtenberger

    In der Ära Scheidtenberger widmete der Ober­befehlshaber der Deutschen Luftwaffe, Generalfeldmarschall Hermann Göring, der Stadt Wiener Neustadt – insbesondere dem hiesigen Flugfeld wie den während der Wirtschaftskrise stillgelegten großen Fabriken – sein besonderes Augenmerk: Göring überzeugte sich persönlich an Ort und Stelle von der Möglichkeit, den Raum Wiener Neustadt zu einem Zentrum der Luftwaffe­ sowie der Luftrüstung in der „Ostmark“ auszubauen. Binnen kurzer Zeit entstand in den entsprechenden adap­tierten „Wiener Neustädter Flugzeugwerken“ (WNF) einer der bedeutendsten Rüstungsbetriebe des Deutschen Reiches. Hier produzierten die deutschen Messerschmitt-Werke ihre berühmten Jagdflugzeuge:­ Im Jahre 1940 – also ein Jahr nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – stammte bereits ein Viertel der Gesamtproduktion der ME 109 aus dem Wiener Neustädter Werk. Ferner etablierten sich 1942 in den Anlagen der im Jahre 1930 stillgelegten Wiener Neustädter Lokomotivfabrik die den Henschel-Werken in Kassel gehörigen „Rax – Werke“. Am 13. August 1943 bombardierten die alliierten Flugzeuge erstmals Wiener Neustadt. In der Folge wurde in 29 Luftangriffen, wobei mehr als 50.000 Bomben über Wiener Neustadt abgeworfen wurden, die alte Stadt in Schutt und Asche gelegt. Mit dem Einmarsch der russischen Truppen ­endete für Wiener Neustadt der Zweite Weltkrieg.

    1945 bis 1965
    Rudolf Wehrl

    Die russische Besatzungsmacht bestellte am 5. April 1945 den ehemaligen Bergknappen und Arbeiter der Firma Bickford u. Co., Rudolf Wehrl, zum provisorischen Bürgermeister von Wiener Neustadt. Die Bedeutung der Stadt in der Zeit nach Abschluss des Staatsvertrages lag in erster Linie in ihrer Funktion als Verwaltungs­zentrum, Schulstadt, Garnison, Einkaufsstadt und auch Fremdenverkehrsstadt. Die wieder aufgebaute Babenbergerburg, in die 1958 endlich wieder die Theresia­nische Militärakademie Einzug halten konnte, ferner die vom Wiener Neustädter Denkmalschutzverein vor dem Verfall gerettete und als Ausstellungszentrum adaptierte gotische Dominikanerkirche St. Peter a. d. Sperr, das wieder hergestellte Stift Neukloster sowie der 1974 bis 1979 restaurierte Dom erwiesen sich als starke­ Anziehungspunkte für kunsthistorisch interessierte Touristen. Regelmäßige Kunstausstellungen – Wiener Neustadt war zwei Mal Schauplatz von Niederösterreichischen Landesausstellungen (1966 „Friedrich III.: Kaiserresidenz Wiener Neustadt“ und 1979 „Die Zeit der frühen Habsburger“) – Aufführungen des Josef-Matthias-Hauer-Konservatoriums, die Veranstaltungen des Wiener Neustädter Frühlings etc. trugen ebenfalls dazu bei, das Image der Stadt Wiener Neustadt grundlegend zu verändern.

    1965 bis 1984
    Hans Barwitzius

    In der Ära des Bürgermeisters Hans Barwitzius wurde der Bedeutung der Stadt, die damals mit 34.774 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Niederösterreichs war, durch Bestimmung zur Viertelshauptstadt Rechnung getragen. Der von der NÖ Landesregierung 1973 beschlossene Raumordnungsplan schätzte Wiener Neustadt als „Zentralen Ort der höchsten Stufe“ ein. In seinen 19 Bürgermeister-Jahren bekleidete Barwitzius zentrale Funktionen im Österreichischen Städtebund: Bereits 1968 wurde er Mitglied des Hauptausschusses­ und rückte 1971 in die Geschäftsleitung auf – das höchste Städtebund-Gremium. Im gleichen Jahr trat er an die Spitze der Landesgruppe Niederösterreich, worauf 1974 die Bestellung zum Vizepräsidenten des Städtebundes folgte. Im Jahre 1984 wurde Barwitzius nicht nur zum Ehrenbürger von Wiener Neustadt ernannt, sondern gleichzeitig beim 34. Städtetag mit der Ehrenmitgliedschaft des Städtebundes ausgezeichnet.

    1984 bis 1993
    Gustav Kraupa

    In der Amtsperiode Gustav Kraupas wurden­ die Bemühungen der Stadtverwaltung um die Wiedererrichtung eines Bistums in Wiener­ Neustadt von Erfolg gekrönt: 1989 erhielt Bürgermeister Kraupa die Verständi­gung, dass der Heilige Stuhl der Errichtung eines Titularbistums Wiener Neustadt zugestimmt habe. 1990 wurde der österreichische Militärbischof Dr. Alfred­ Koste­lecky von Papst Johannes Paul II. zum Titular­bischof von Wiener Neustadt ernannt. Weiters­ gilt Kraupa gemeinsam mit Prim. i.R. Dr. Friedl Weiss, damals Leiter der Unfall­abteilung des städtischen Krankenhauses, als „Geistiger Vater“ des Rettungshubschrauber-Stützpunktes „Christophorus­ 3“, der am 15. September 1984 in den Dienst gestellt wurde.

    1993 bis 1997
    Dr. Peter Wittmann

    Seine kommunalpolitische Karriere startete­ Peter Wittmann im Jahr 1990 als Vize­bürgermeister von Wiener Neustadt. 3 Jahre später wurde er zum Bürgermeister gewählt. Als Stadtoberhaupt von Wiener Neustadt war Wittmann auch für Kunst und Sport zuständig. In seiner Amtsperiode fand das legendäre Pink Floyd-Konzert am Flugfeld statt. Wittmann forcierte aber auch zahlreiche weitere Kunstprojekte – auch abseits des Massengeschmacks. Aufgrund seiner Ernennung zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt legte Wittmann im Jahr 1997 sein Amt zurück.

    1997 bis 2005
    Traude Dierdorf 

    Traude Dierdorf war über 25 Jahre politisch in Wiener Neustadt tätig, von 1997 bis 2005 bekleidete sie als erste Frau das Bürgermeisteramt der Statutarstadt. Große Verdienste erwarb sich Dierdorf vor allem im Sozialwesen: Hier ist vor allem der Ausbau des Stadtheimes zu einer österreichweit vorbildlichen Seniorenbetreuungs­einrichtung zu nennen. Dierdorf förderte aber vor allem auch den Weg Wiener Neustadts zu einer Technologie-Metropole: In ihre Amtszeit fiel die Entscheidung zugunsten der Errichtung des Krebsforschungs- und -therapiezentrums „MedAustron“.

    seit 2005
    Bernhard Müller

    Bürgermeister Bernhard Müller baute auf Basis der Arbeit seiner Vorgänger den sozi­a­­­­len Status Wiener Neustadts weiter aus. So fiel in seine Amtszeit unter anderem die Einführung der „Plus Card“, die Etablierung des „Bernhard Müller Sozialfonds“ und diverse weitere Maßnahmen zur sozia­len Absicherung der Menschen. Müllers Ziel: Wiener­ Neustadt soll DAS Sozial­modell für ganz Österreich werden. Weitere wichtige­ Schwerpunkte seiner Arbeit sind Initiati­ven­­­­­ für Technologie und Forschung. So wird unter anderem das Technologie-­­­­und Forschungs­zentrum ausgebaut, „Med­Austron“­ ist auf Schiene, innovative Unter­nehmen wurden angesiedelt. Ebenfalls beispielgebend sind Müllers Aktivitäten in der Umweltpolitik. Die in den nächsten Monaten entstehende Biogasanlage wird dafür ein weithin sichtbares Zeichen sowie ein Meilenstein am Weg Wiener Neustadts in die Energieunabhängigkeit sein.

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 03/10

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