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    Better city, better life – die EXPO 2010

    Auf geht’s zum Österreich-Pavillon!

    Gleich nach unserer Ankunft am EXPO Gelände wurden wir von Michael Heinz am Eingang erwartet und mit Zugangspässen ausgestattet. Nach der Sicherheitskontrolle brachte man uns gleich mal zum Österreich Pavillon, in dem uns Birgit Murr, Projektleiterin und stellvertretende Regierungskommissarin, bereits erwartete. Sie erzählte uns alles Wissenswerte über das österreichische Millionenprojekt. Nicht jedes Land ist auf der EXPO mit einem eigenen Pavillon vertreten – manche Länder weichen auf Gemeinschaftspavillons aus oder nutzen die Möglichkeit, einen bereits existierenden landesspezifisch zu adaptieren. Das kommt dann zwar sehr viel billiger, aber schränkt natürlich in der Umsetzung enorm ein. Warum es gerade für unser Heimatland von besonderer Bedeutung ist, hier mit einem eigenen Pavillon dabei zu sein, haben wir auch erfahren.

    Unsere Delegation nutzte das Treffen mit Birgit Murr und Michael Heinz um mögliche Kooperationen zwischen Österreich und China zu besprechen. Für einige Firmen in Wiener Neustadt ist das Geschäft mit China sehr interessant. Sogar ein Mitglied unserer Delegation, Unternehmer und Wirtschaftskammerfunktionär Thomas Schaden, wird eine Außenstelle in China eröffnen.

    Österreich auf der EXPO

    Österreich nimmt an dieser EXPO mit einem eigenen Pavillon teil, weil China einer von Österreichs Zukunftsmärkten und der größte Handelspartner in Asien sowie – nach den USA – der zweitwichtigste Überseemarkt ist. Selbst in der Wirtschaftskrise konnten Österreichs Exporte dorthin im Vorjahr um 7,2 Prozent auf zwei Milliarden Euro gesteigert werden. China stieg damit unter die Top-30-Absatzmärkte auf und ist das einzige Land mit einer positiven Exportentwicklung. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die österreichischen Exporte nach China mehr als verfünffacht. Die Importe gingen im Vorjahr um zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zurück.

    Das Interesse Chinas an heimischen Spitzenleistungen ist groß: Rund 370 österreichische Unternehmen verfügen über 630 Niederlassungen in China und setzen ihre Produkte und Leistungen dort bzw. von dort aus ab. Bisher wurden in mehr als 900 Projekten Investitionen von rund 700 Millionen Euro getätigt.

    Ziel der EXPO-Teilnahme ist es daher, Österreich als Industrie-, Technologie-, und Tourismusstandort in China und dem gesamten ostasiatischen Raum noch besser zu positionieren und den Fokus Österreichs auf Ökoinnovationen sowie auf die Qualitäten des Standortes für Unternehmensansiedlungen in Europa zu legen.

    Sinne im Gleichklang

    Unter diesem Motto präsentiert sich der Österreich-Pavillon auf der EXPO in Shanghai. Die Besucher erleben eine Tour durch die Highlights Österreichs, von landschaftlichen Schönheiten, über kulturelles Erbe bis hin zu beeindruckenden wirtschaftlichen sowie technologischen Leistungen. Wände, Böden und Decke werden praktisch zur Gänze mit hochauflösenden Panoramen und Bildwelten realer Orte bespielt. Im gesamten Innenraum des Pavillons sind Infrarot und Laser-Sensoren sowie Kameras installiert, die jede Bewegung registrieren. So tun sich durch Berührung der Wände Filme auf, die Geschichten über die Natur oder die Wirtschaft Österreichs erzählen. Im Hochgebirge lässt sich als besonderes haptisches Erlebnis Schnee angreifen und durch gezielte Schneeballwürfe beeinflusst man den Ausgang eines Schirennens.

    Hinzu kommt die Audiokomponente, die das Gesehene mit Musik und Geräuschen unterstützt. Unter der Regie eines Videojockeys werden die Österreich-Erlebniszonen als akustische Stimmungsbilder hörbar, Live-Musiker bringen Teile eines eigens komponierten Auftragswerkes permanent zur Aufführung. Die reiche musikalische Tradition Österreichs wird so mit neuen Elementen wie der elektronischen Musik in Beziehung gesetzt. Zusätzlich gibt es eine Konzertreihe mit Auftritten zahlreicher österreichischer Ensembles aus Klassik, Pop und Volksmusik.

    Wenn Sie den Rundgang durch den Österreich Pavillon selbst erleben möchten, können Sie das ganz bequem zu Hause am eigenen Computer tun. Gehen Sie dafür einfach auf www.dascitymagazin.at/china und klicken Sie auf den Link zur virtuellen Tour durch den Österreich-Pavillon! Viel Spaß!

    Beeindruckende Architektur, überraschende Features


    Neben dem Österreich-Pavillon konnten wir auch noch den spanischen, chinesischen, japanischen und saudi-arabischen besichtigen und waren von der Vielfalt der gigantischen Bauwerke und der Installationen in deren Inneren begeistert.

    Der spanische Pavillon beeindruckte durch Außenwände, die mit tausenden Korbgeflechten bestückt sind. Die Wahl des Materials geht auf die Tradition des Korbflechtens in Spanien und auch China zurück und soll somit die Verbundenheit der beiden Länder symbolisieren. Jedes einzelne verwendete Stück ist Handarbeit. Im Inneren bietet sich dem Besucher eine Welt aus Tradition und Moderne, die mit einer Flamencotänzerin beginnt und mit einem Hightech-Riesenbaby endet, das die Zukunft symbolisiert.

    Der chinesische Pavillon, auch „Krone des Ostens“ genannt, spiegelt von außen die traditionelle chinesische Architektur wieder und auch im Inneren wird dem Besucher vor allem die Geschichte des Landes präsentiert. Auch die Entwicklung der Wirtschaft und der Millionenstädte wird veranschaulicht. Entsprechend dem Thema der EXPO kommt auch der Umweltgedanke nicht zu kurz und ein Ausblick lässt auf bessere Lebensbedingungen in der Zukunft hoffen.

    Der japanische Pavillon hat von Chinesen bereits den Namen „rote Seidenraupe“ bekommen, da das Gebäude durch die Antennen und die Ellipsen-Form daran erinnert. Die Form wurde gewählt um die Harmonie zwischen Mensch und Maschine darzustellen. Im Inneren glänzt der Pavillon durch High-Tech wohin das Auge reicht. Vom Geige-spielenden Roboter bis hin zu Innovationen am Fotografiesektor wird sicher jeder Technik-Fan zufrieden gestellt.

    Der saudi-arabische Pavillon hat mich persönlich am meisten beeindruckt, weil er den Besucher in eine andere Welt entführt. Schon von außen lässt das riesige, halbmondförmige „Boot auf Stützen“, auf dessen Dach sich Palmen und Beduinenzelte befinden, auf ein gigantisches Innere hoffen. Und die Besucher werden nicht enttäuscht. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Chinesen bis zu sechs Stunden bei größter Hitze anstellen, um den Pavillon von innen zu sehen. Was man nun im Bootsrumpf erlebt, kann man kaum nacherzählen. Man steht auf einem Förderband, das einen langsam durch die arabische Welt befördert und unzählige Sinneseindrücke mit auf den Weg gibt. Zusätzlich durften wir auch noch das Dach des Pavillons besuchen, denn von dort aus lassen sich die besten Fotos vom EXPO-Gelände schießen.

    EXPO by night

    Ein krönender Abschluss eines EXPO-Tages ist auf jeden Fall die Nachtstimmung. Jeder Pavillon erleuchtet nach Sonnenuntergang in einer anderen Farbe und man weiß kaum, wo man zuerst hinschauen soll. Die Menschenmassen begeben sich dann langsam zum Ausgang und die Temperaturen pendeln sich knapp über 30 Grad ein, was einem nach der Mittagshitze angenehm kühl erscheint. Nun geht ein sehr anstrengender, aber wunderbarer Tag zu Ende – hier in der Millionen-Stadt Shanghai.

    Die Weltausstellung der Superlative

    Mit einem Budget von 4 Milliarden Euro (ohne die Infrastruktur-Investitionen) inszeniert China die größte Weltausstellung aller Zeiten. Nur zwei Jahre nach der Olympiade in Peking und mit einem doppelt so hohen Budget rückt nun Shanghai in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: Mit 20 Millionen Einwohnern im Großraum ist sie Chinas größte Stadt und zugleich wichtigste Wirtschaftsmetropole des Landes, der Hafen ist der weltweit größte See-Umschlagplatz. Shanghai hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung erlebt. In atemberaubendem Tempo wurde der neue Stadtteil Pudong aus dem Boden gestampft — die Anzahl der dortigen Wolkenkratzer lässt jene von Manhattan hinter sich.

    Auch die EXPO 2010 sprengt bisherige Maßstäbe. Auf beiden Seiten des Huangpu-Flusses wurde dazu ein 5,3 Quadratkilometer großes ehemaliges Industrie-Areal entwickelt. Das Ausstellungsgelände mit seinen fünf Zonen ist damit doppelt so groß wie der 1. Wiener Bezirk. Durchzogen wird die EXPO-Region von der ein Kilometer langen EXPO Axis mit der weltgrößten Membrankonstruktion. Die Areale zu beiden Seiten des Huangpu werden durch regelmäßige Fährverbindungen erschlossen. Besondere Highlights sind der chinesische Pavillon mit einem pagodenförmigen Dach und das EXPO Performance Center; das muschelförmige Gebäude bietet 18.000 Personen Platz.
    Über 240 Länder und Organisationen nehmen an der EXPO teil — mehr als bei jeder bisherigen EXPO. China erwartet mit 70 Millionen Besuchern auch einen deutlich höheren Zustrom als bisherige Weltausstellungen. Primäres Anliegen der Veranstalter ist es, den Chinesen die Welt zu zeigen: Der Großteil der Besucher wird aus allen Ecken Chinas anreisen — nur rund 5 Prozent sollen aus dem Ausland kommen. Die EXPO-Leitung rechnet im Schnitt mit 400.000 Personen pro Tag, 600.000 sollen es maximal sein. Eine reguläre Tageskarte wird für 150 Yuan (etwa 16 Euro) angeboten.

    Mit dem Motto „Better city, better life“ hat sich China für die EXPO 2010 ein zeitgemäßes Thema gesetzt und knüpft an die Umweltthemen der vergangenen beiden EXPOs im japanischen Aichi („Weisheit der Natur“) und im spanischen Saragossa („Wasser und nachhaltige Entwicklung“) an. Mitten in der Megacity Shanghai diskutiert und präsentiert die weltweite Gemeinschaft Lösungen zu mehr Lebensqualität und Lebensfreude in modernen Städten. Unter anderem werden mehr als 60 Städte in Shanghai ihre Vorstellungen zu nachhaltiger urbaner Entwicklung vorstellen. Dementsprechend setzte die EXPO Shanghai auch beim Verkehrskonzept neue Maßstäbe. Auf großräumige Parkflächen wurde verzichtet. Stattdessen wurde die U-Bahn ausgebaut: Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte sich das Netz von 234 auf 420 Kilometer.

    Eckdaten zum Österreich-Pavillon:

    Gestaltung:
    SPAN – ZEYTINOGLU Architects

    Generalunternehmer: Alpine Mayreder Construction Co. Ltd, Peking

    Unterthema: Interaktionen zwischen ruralen und urbanen Lebenswelten

    Standort: Stand-Alone-Pavillon in Zone C

    Größe: ca. 2.000 m², auf 2 Ebenen

    Erwartete Besucher: Bis zu 3 Millionen Besucher insgesamt

    Besucherkapazität pro Stunde: 1.200 Besucher

    Verweildauer im Pavillon: ca. 20 Minuten

    Ausstellungskonzept: multimedialer und interaktiver Rundgang, der den Besucher vom Hochgebirge über Wald und Wiesen, durch Wasserlandschaften bis in die Stadt führt.


    Eckdaten zur EXPO 2010 :

    Überthema: „Better City – Better Life“

    Dauer: 1. Mai bis 31. Oktober 2010

    Größe: 5,28 km²große Gelände mitten in Shanghai

    Besucher: 70 Millionen Besucher (400.000 täglich) insgesamt 3,5 Millionen internationale Besucher

    Teilnehmer:rund 240 Nationen und internationale Organisationen

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 10/10

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