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    Auf den Spuren von Nikolaus Pacassi

    Der gebürtige Wiener Neustädter Nikolaus Pacassi entstammte­ ­­­ einer­ Görzer Steinmetz- und Architektenfamilie und begann seine­ Karriere 1745 als Unterbaumeister am Wiener Hof. 1753 wurde ­Nikolaus Pacassi als Nachfolger von Jean Nicolas Jadot de Ville-­Issey (1710 – 1761, Architekt aus Lothringen, Anm. d. Red.) Leiter­ und Erster Architekt im Hofbauamt. Alle wichtigen Bauprojekte­ haben­ auch mit dem kaiserlichen Hof zu tun. Dazu zählen vor allem­ der Umbau von Schloss Schönbrunn und die Planung des Redoutensaaltraktes in der Wiener Hofburg. (1922 wurde die Pacassi­straße in Wien-Hietzing nach ihm benannt.) 1764 wurde Pacassi in den Adelsstand erhoben (Ritter, ab 1769 Freiherr). Nach den Diplomen soll er griechischer Abstammung gewesen sein und als erster den Gebrauch der Steinkohle und die Gipsgewinnung in Österreich eingeführt haben. Er war Professor an der römischen Akademie S. Luca und seit 1768 Mitglied der Wiener Akademie der Bildenden Künste. 1772 wurde Nikolaus Pacassi auf eigenem Wunsch seines Amtes ent­hoben und war danach nur mehr beratend tätig. Er starb 74-jährig in Wien.

    Steile Karriere bis zum Hofarchitekten
    Als erster Hofarchitekt war Pacassi an vielen großen Bau- und ­Restaurierungsvorhaben der Zeit federführend beteiligt. Außer in Wien, wirkte er auch in Prag, Mailand, Innsbruck, Klagenfurt und Wiener Neustadt. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Um­gestaltung und Fertigstellung von Schloss Schönbrunn, der Umbau der Geheimen Hofkanzlei (Seitenflügel, Bundeskanzleramt), der Hofburg (Amalienburg), des Theresianums, des Hofburgtheaters, der Hofbibliothek (Flügelbauten), der Innsbrucker Hofburg, der ­Wiener Neustädter Burg, der Schlösser Laxenburg, Niederweiden, Hetzendorf, Ober-St. Veit, Starhemberg in Erlaa sowie der Aus- beziehungsweise Neubau des Hofburgtheaters, des Kärntnertortheaters und des Theaters in Laxenburg. Zu seinen Kirchenbauten gehören die Gardekirche am Rennweg in Wien, die Nadelburg-Kirche in Lichtenwörth und die Klosterkirche auf der Prager Burg. Von nahe­zu sämtlichen Werken befinden sich Zeichnungen in der Architekturgeschichtlichen Sammlung der Albertina in Wien.

    Künstlerische Richtung
    Nikolaus Pacassi war ein Architekt des Frühklassizismus. Der Klassi­zismus steht in der Bildenden Kunst einschließlich der Architektur für eine Strömung, in der die Nachahmung des klassischen Altertums – der griechischen und römischen Antike – als Ideal galt. Im späten 18. Jahrhundert war der Klassizismus mit einer purifizierenden Vereinfachung der Formen das Gegenmodell zur Kunst des Barock, die mit dem Feudalismus assoziiert wurde. Der Feudalismus war die Gesellschaftsform des europäischen Mittel­alters. Eine idealtypische feudale Gesellschaft kann durch folgende­ Merkmale beschrieben werden: Die Produktion war stark von der Naturalwirtschaft geprägt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bestand aus Bauern. Sie waren aber nicht Eigentümer des von ihnen bestellten Landes, sondern dieses Land war im Besitz des Grundherrs. Die Bauern befanden sich im Zustand der Leibeigenschaft, sie waren also persönlich abhängig vom Grundherrn und unfrei. Gegenüber dem vorangegangenen Rokoko zeichnet sich der Klassizismus durch eine Rückkehr zu geradlinigen, klaren Formen und einer stärkeren Anlehnung an klassisch-antike Vorbilder aus. In Österreich fällt dies mit der Regierungszeit Josephs II. (von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Anm. d. Red.) zusammen.

    Sommerresidenz für Maria Theresia
    Im Park von Laxenburg liegt das alte Schloss aus dem 13. und 14. Jahrhundert sowie die erst unter den Kaisern Franz I. und II. errichtete Franzensburg. Kaiserin Maria Theresia ließ sich um 1760 von ihrem Hofarchitekten Nikolaus Pacassi im Park von Laxen­burg in Wien den so genannten „Blauen Hof“ zu einer repräsentativen Sommerresidenz ausbauen. Dieser Teil diente auch als Wohnschloss der Habsburger. Heute beherbergt das historische Gebäude­ das IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis), das Conference Center Laxenburg sowie die Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft. Gleichzeitig wurde auch ein Teil des ehemali­gen­­­­­ Wildparks nach französischem Vorbild in einen Kunstgarten verwandelt. Das bis heute erhaltene Theater wurde errichtet und ebenso der Dianatempel beziehungsweise „Grüne Pavillon“.

    Umbau der Favorita im Wiener Augarten
    Bereits unter Kaiser Matthias war ein Meierhof des 14. Jahrhunderts­ im heutigen Augarten in der Leopoldstadt in Wien zu einem Lustschloss, der so genannten „Favorita“ (dt.: die Bevorzugte, Anm. d. Red.) ausgebaut worden. Nachdem diese, von 1616 bis 1625 erbaute frühbarocke Anlage während der zweiten Türkenbelage­rung schwer beschädigt worden war, erfolgte die Wiederher­stellung und ein Ausbau. Der Lieblingsaufenthalt der Kaiser Leo­pold I.,­­ Joseph I. und Karl VI. wurde unter Maria Theresia in ein Jesuiten­kolleg umgewandelt und durch ihren Hofarchitekten ­Niko­laus Pacassi abermals erweitert. Heute dient der Bau als Sitz der Diplomatischen Akademie.

    Aufstockung von Schloss Niederweiden
    Schloss Niederweiden in Engelhartstetten (Weinviertel) ist ein zierliches Lustschloss, das 1693/1694 von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet wurde. Auftraggeber war Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg, der bei der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 die Verteidigung der Stadt geleitet hatte. Seit 1685 war er Besitzer von Schloss und Herrschaft. Fischer von Erlach legte einen­ eingeschoßigen, breit gelagerten Schlossbau mit einem zentral gelegenen, ovalen Saal und konkav eingezogenen Seitenflügeln an, davor liegen eingeschoßige Nebengebäude. 1726 kam das Jagdschloss zusammen mit der Herrschaft Schloss Hof an Prinz Eugen von Savoyen. Nach Prinz Eugen übernahm Maria Theresia Niederweiden, die das Schloss 1765 von Nikolaus Pacassi aufstocken ließ. Aus dieser Zeit stammt auch die illusionistische Wandmalerei à la chinoise von Jean Pillement im Kuppelsaal.

    Aktivitäten im Ausland
    Nikolaus Pacassi prägte vor allem durch die unter Maria Theresia erfolgte spätbarocke Umgestaltung und Erweiterung (1756 bis 1774) auch das Erscheinungsbild der Prager Burg und des
    Hradschin wesentlich. Dieser Umbau des im Kern mittelalter­lichen Hradschin weist mit ihren fast monotonen, plastisch kaum akzen­tuierten Fassadenfluchten bereits auf die Formensprache des frühen­ Klassizismus hin. So beschränkt sich die kaum variierte Gliederung auf überaus flache, die beiden Hauptgeschoße übergreifende Lisenen sowie die Doppelpilaster der Attikazone.

    Wirken in und um Wiener Neustadt
    Doch auch in Wiener Neustadt und Umgebung kann man auf den Spuren von Nikolaus Pacassi wandeln: Ab 1752 ließ Kaiserin Maria­ Theresia die Burg Wiener Neustadt von Nikolaus Pacassi um­bauen und später als Militärakademie einrichten. Pacassi errichtete unter­ anderem die klassizistische Freitreppe (Elisabethstiege) sowie den Uhrturm im Hof. 1768 erlitt Wiener Neustadt schwere Schäden aufgrund eines Erdbebens. Die Burg, die beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen wurde, benötigte einen Wiederaufbau, der nach den Plänen von Pacassi erfolgte. Ihm zu Ehren wurde in Wiener Neustadt eine Gasse benannt, die Nikolaus-Pacassi-Gasse. Darüber­ hinaus wurde in der Lichtenwörther Nadelburg, einem industriegeschichtlichen Bauensemble, die zweitürmige Barockkirche Hl. Theresa mit ihrer­ auffallenden Kuppel von Nikolaus Pacassi erbaut. Die Kirche steht in der Hauptachse der Siedlung und wurde 1756 geweiht. Es handelt sich um einen außen rechteckigen und innen­ quer-ovalen Raum mit einem reichen Altartabernakel in Weiß und Gold. Das Hoch­altarbild zeigt die Kreuzigung Christi. Kaiserin Maria­ Theresia steht als Nonne gekleidet neben dem Kreuz, während der junge Joseph II. in Uniform daneben kniet.


    Quellen:
    Wikipedia
    Landesmuseum Niederösterreich
    Johann Strauß Gesellschaft
    archINFORM

    Werke

    1743-1749 Generalumbau von Schloss Schönbrunn, völ­lige Veränderung der Raumaufteilung, Bau des Schönbrunner Schlosstheaters
    1743 Umbau von Schloss Hetzendorf zum Witwensitz für Kaiserin­ Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (Gemahlin­ Kaiser Karls VI., (Titular-)Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, Mutter von Erzherzogin Maria-Theresia, Anm. d. Red.)
    1744-1749 Umbau von Schloss Schönbrunn zum Wohnschloss im Auftrag von Maria Theresia
    1753 Umbau der Favorita  zum Theresianum im 4. Wiener
    Gemeindebezirk
    1755 Gardekirche am Rennweg in Wien-Landstraße, einziges, nicht mit dem Hof zusammenhängendes größeres Werk
    1756 Erbauung Barockkirche Nadelburg, Lichtenwörth
    1756-1774 Umgestaltung und Erweiterung der Prager Burg  am Hradschin
    1760 Neugestaltung des Redoutensaaltrakts der Hofburg und Instandsetzung der Hofbibliothek. Damit hängen auch die Planungen für die Flügelbauten der Hofbibliothek beim
    Redoutensaal und der Augustinerkirche zusammen, aus denen­ der Josephsplatz besteht.
    1763-69 Umbau der Amalienburg (Wiener Hofburg)
    1760 Schloss Laxenburg und Blauer Hof, Park von Laxenburg, Wien
    1765 Aufstockung von Schloss Niederweiden in Engelhartstetten
    1767 Umbau der Österreichischen Hofkanzlei am Ballhausplatz, heute Sitz des österreichischen Bundeskanzlers
    1752 Umbau der Wiener Neustädter Burg im Auftrag von
    Maria Theresia
    1768 Wiederaufbau der Wiener Neustädter Burg, die bei
    einem heftigen Erdbeben stark beschädigt wurde
     

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 04/10

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