Stadtgespräch
Wussten Sie, ...
... wer Joseph Liesganig war?
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts setzte in den meisten europäischen Staaten eine rege Landesvermessung ein. Dem zugrunde lagen zwei Hauptmotive. Zum einen verlangte das Militär aufgrund der politischen Instabilität innerhalb Europas und der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen danach, zum anderen forderten die Finanzbehörden eine Grundlage zur Bemessung der Versteuerung von Grund und Boden.
Die Steuerreform diente unter anderem dem Ziel, mehr Geld in die angeschlagene Staatskasse zu fördern und so fasste Maria Theresia den Entschluss, eine Landesvermessung in die Wege zu leiten. Mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraut wurde der Jesuitenpater Joseph Liesganig.
Geboren am 13.2.1719 in Graz trat Joseph Liesganig mit kaum 15 Jahren in den Jesuitenorden ein, beendete seine philosophischen Studien am Ordenskollegium in Wien und war später Professor für Mathematik und Rhetorik. Er war nicht nur ein herausragender Mathematiker, sondern auch in astronomischen Belangen eine führende Persönlichkeit des damaligen Wiens und trug entscheidend zur Landesvermessung und zur Metrologie bei.
Von 1761–1765 leitete er die Gradmessung im Wiener Meridian, bei der ein 320 km langer Meridianbogen von Brünn über Wien nach Varasdin durch Triangulierung gemessen wurde. Triangulierung ist eine Messmethode, bei der die Länge einer Hauptdreiecksseite, der sogenannten Basis, bekannt ist und die anderen Strecken durch Beobachtung der Dreieckswinkel errechnet werden. Da ebenes Gelände genauere Messungen gewährleistet, wählte Liesganig die Strecke Wiener Neustadt – Neunkirchen und eine weitere im Marchfeld als Basis. Für die Messung wurde eine Schneise durch den Föhrenwald ausgeholzt, welche in Folge für die Errichtung der Neunkirchner Allee genutzt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt verlief die Reichsstraße nach Wiener Neustadt noch über Breitenau. In der Präzision der Messung liegt auch der Grund für den schnurgeraden Verlauf der Allee.
Als die Messungen bezüglich der Basisstrecke abgeschlossen waren, errichtete Liesganig auf Bergen bzw. an markanten Punkten (z.B. Kirchtürmen) in der Umgebung Triangulierungszeichen oder Stationen. Ebenso verfuhr er in anderen Gebieten entlang der gedachten Linie Brünn-Wien-Graz-Warsadin, die fortgesetzt zum Nord- bzw. Südpol führen würde und als Meridian- oder Mittagskreis bezeichnet wird. Die Vermessung des Wiener Meridians hatte Liesganig mit relativ einfachen technischen Mitteln bestritten und dabei eine erstaunliche Genauigkeit erzielt.
Es handelte sich um die erste große geodätische Arbeit mittels Triangulierung in Österreich, die durch die Zusammenarbeit mit Frankreich internationale Dimensionen erhielt. Zu Ehren von Joseph Liesganig wurde der Liesganigstein errichtet. Er steht in Wiener Neustadt in der Neunkirchner Straße bei der Einmündung der Kammanngasse. Das Denkmal erinnert an die Triangulierung der Monarchie und an die dafür notwendige Messung der Wiener Neustädter Grundlinie und bezeichnet den Endpunkt in Wiener Neustadt. Auch der südliche Endpunkt der Basislinie war bis 1856 mit einer Gedenksäule bei Neunkirchen an der B17 markiert. Diese wurde jedoch durch eine Pyramide aus Stein ersetzt, die dem ursprünglichen geodätischen Festpunkts nahe kommen dürfte.
Quellen: Dokumentation des
„Industrieviertel-Museums“ Wiener Neustadt
Autor: Mag. Gerhard Geissl, Wikipedia









