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    Motor & Technik

    safety first, safety first

    Safety first

    die Sicherheit kommt zuerst

    Mit 2700 gefahrlos auf winterlichen Straßen unterwegs

    Seit einiger Zeit hat uns der Winter in und um 2700 fest im Griff: Es ist lästig, jeden Morgen in ein kaltes Auto zu steigen (es sei denn, Sie sind mit einer Standheizung gesegnet) und alle Hoffnung in das zu 100 Prozent aufgedrehte Gebläse zu setzen, das leider allzu lange mit eisiger Luft kontert. Ist es erst einmal warm, ist es meistens schon Zeit zum Aussteigen. Neben all diesen Ärgernissen über die eisigen Temperaturen sollten Sie vor allem aber auf die Straße achten und Ihr Fahrverhalten den Fahrbahnverhältnissen anpassen. Doch das ist leichter gesagt, als getan: Was viele von uns einfach ihrem „Gefühl“ überlassen, unterliegt einem konkreten Rechenschema, welches zeigt, wie man seine Geschwindigkeit richtig wählt.

    Auf Eis und Schnee wird der Bremsweg um ein Vielfaches länger!

    Schon leichter Schneefall oder Nebel können bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt für rutschige Straßen sorgen. „Bei Schnee und Eis verschieben sich die physikalischen Grenzen. Der Bremsweg wird um vieles länger, die Bodenhaftung der Reifen nimmt ab und das Lenkverhalten des Autos verändert sich, was oft auch geübte Autofahrer unsicher macht", erklärt Roland Frisch, PKW-Chefinstruktor des ÖAMTC. Wo bei optimalen Voraussetzungen 100 Stundenkilometer gefahren werden dürfen, sollte bei nasser Fahrbahn die Geschwindigkeit um 30 Prozent reduziert werden. Bei Schneefahrbahn heißt es, die Geschwindigkeit zu halbieren. Bei Eis muss man um 70 Prozent langsamer fahren,damit der Bremsweg unverändert bleibt. (Siehe Öamtc-Grafik rechts)
    Schon bei 50 Stundenkilometern im Ortsgebiet verlängert sich der Bremsweg von 13 Metern auf trockener Fahrbahn auf 64 Meter bei Schneefahrbahn. Mit einem Reaktionsweg von 15 Metern (1 Sekunde) ergibt das auf schneeglatter Fahrbahn einen Anhalteweg von 79 Metern. Bei 80 Stundenkilometern verfünffacht sich der Bremsweg von 33 auf 165 Meter. „Inklusive dem Reaktionsweg von 24 Metern verlängert sich der Anhalteweg dabei von 57 Metern auf trockener Fahrbahn auf 189 Meter bei schneeglattem Untergrund", rechnet Frisch vor. Daher sind bei Schneefahrbahn oder schon bei Verdacht auf Glatteis angepasste Fahrgeschwindigkeit und richtiger Abstand die Gebote der Stunde.

    Wichtig ist, schon die ersten Anzeichen für eine rutschige Fahrbahn ernst zu nehmen. „Wenn schon bei geringem Pedaldruck das ABS zu arbeiten beginnt, also das Pedal pulsiert, oder in modernen Fahrzeugen beim Beschleunigen die ESP-Kontrolllampe leuchtet oder blinkt, sollte sich der Lenker auf eine glatte Fahrbahn einstellen und die Fahrweise entsprechend anpassen", so der Tipp des ÖAMTC-Fahrtechnik-Experten.

    Führerschein-Neulinge sind im Winter oft zu schnell unterwegs.

    Junge Lenker, die ihren ersten Winter „erfahren“, unterschätzen oft die Risiken von winterlichen Straßenverhältnissen. „Daher sind sie meist viel zu schnell für diese Bedingungen unterwegs", rät Frisch Führerscheinneulingen zu besonderer Vorsicht. Der ÖAMTC-PKW-Chefinstruktor empfiehlt außerdem, das gesetzlich vorgeschriebene Mehrphasentraining zeitgerecht zu absolvieren: „Darin erfahren junge Lenker in praktischen Übungen, wie man auch im Winter sicher unterwegs ist."

    „Runter vom Gas!“, lautet die Devise im Winter.

    Der Winter hat aber nicht nur für unerfahrene Lenker seine Tücken, auch für Vielfahrer sind rutschige Straßen eine Herausforderung. Wer seine Fahrweise den winterlichen Straßenverhältnissen anpasst, kann „Ausrutschern“ vorbeugen. Generell empfiehlt der ÖAMTC-PKW-Chefinstruktor bei Schnee- oder Eisfahrbahn:

    Angepasste Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren. „Wichtig ist, dass man auch bei trockener Fahrbahn an exponierten Stellen mit Glatteis rechnet und seine Fahrweise entsprechend adaptiert. Besonders vorsichtig fahren sollte man daher im Bereich von Brücken, Waldschneisen, Kuppen und freien Flächen", empfiehlt Frisch.

    Abstand vergrößern: Gilt normalerweise ein Abstand von zwei Sekunden als ausreichend, sollte laut ÖAMTC-Fahrtechnik-Experte bei Glatteisgefahr der Sicherheitsabstand drei bis vier Sekunden betragen.

    Ruckartige Lenkbewegungen und Bremsmanöver vermeiden: Durch einen zu forschen Fahrstil kann man die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. „Ein ruhiger, runder und anti-aggressiver Fahrstil bewährt sich stets auf Glatteis", so der PKW-Chefinstruktor des ÖAMTC.

    Vorsicht beim Überholen: Auch bei Überholmanövern muss man an den längeren Bremsweg denken und gefühlvoll lenken.

    Da Sie nun wissen, wie Sie sich im Winter auf der Straße verhalten sollen, dürfen Sie sich getrost weiter über Ihre Heizung ärgern, die nun endlich für eine angenehme Temperatur im Auto gesorgt hat, was Ihnen nun aber nichts mehr hilft, denn Sie haben Ihr Ziel längst erreicht!

     

    Der Fahrtipp vom Profi

    Das Fahrlehrerteam der Fahrschule Ruff trainiert bereits mit den FahranfängerInnen einen ruhigen, runden Fahrstil unter dem Motto „smooth driving“ .

    Dabei wird auch das „Popometer“ (Copyright: Niki Lauda) trainiert, um ein Gefühl für das Fahrzeug zu entwickeln. Gerade bei Fahrzeugen mit Anti-Schleuder-Programm (ESP) oder Allradantrieb sind intakte Winterreifen besonders wichtig, da die beste Elektronik nur so gut ist, wie die Verbindung zur Straße zulässt. Daher beachten Sie die „4 mal 4 mal 4-Regel“ bei Winterreifen:

    4 Stück mit nicht weniger als 4 Millimeter Profil und nicht älter als 4 Jahre. Natürlich ist auch bei bester Ausrüstung eine entsprechende Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit bei Nässe, Schnee und Eis nötig.

    Ing. Mag. (FH) Kurt Ruff
    www.ruff.at

     

    Rubrik Motor & Technik | Ausgabe 02/10

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