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    Der große Winterreifentest 2011

    Winterreifenpflicht in Österrreich

    Im Zeitraum von 1. November bis 15. April dürfen Pkw und Lkw bis zu einem höchst zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t bei winterlichen Fahrverhältnissen (Schnee, Matsch oder Eis) nur in Betrieb genommen werden, wenn an allen vier Rädern Winterreifen montiert oder an mindestens zwei Antriebsrädern Schneeketten angebracht sind. Letzteres ist allerdings nur erlaubt, wenn die Straße durchgängig oder fast durchgängig mit Schnee oder Eis bedeckt ist – so will es der Gesetzgeber! Bei einfachen Verstößen bezahlt man 35 Euro, bei einer Anzeige aufgrund einer hohen Gefährdung bis zu 5.000 Euro.

    Wenn Reifen in die Jahre kommen...

    Der Winter ist im Anmarsch und damit ist es auch wieder höchste Zeit von Sommer- auf Winterreifen umzusteigen. Dabei sollte man genau auf die Profiltiefe der Winterräder achten, denn unter vier Millimeter Profiltiefe gilt ein Reifen nach österreichischem Gesetz nicht mehr als Winterreifen. In Österreich kann allerdings die Ausrüstung mit Winterreifen abschnittsweise zwingend vorgeschrieben werden. Wie stark die Sicherheitseigenschaften von Winterreifen bei zunehmender Kilometerleistung abnehmen, hat der Club in einem Spezial-Winterreifen-Test untersucht. „Ein Winterreifen, der gerade noch die gesetzliche Profiltiefe aufweist, macht schon deutliche Probleme auf Schnee“, erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel.
    Nach etwa 16.800 Kilometer, das entspricht bei diesem Test einer Profiltiefe von durchschnittlich vier Millimeter, hat ein Winterreifen bereits mehr als 30 Prozent seiner Schneegriff-Eigenschaften eingebüßt. Bei Aquaplaning kann ein Reifen mit dieser Profiltiefe nur mehr die Hälfte der ursprünglichen Wassermenge ableiten. Das Testergebnis räumt auch gleich mit dem Irrglauben auf, dass ein neuer Sommerreifen im Winter besser ist, als ein abgefahrener Winterreifen. Ein neuer Sommerreifen mit durchschnittlich 7,5 Millimeter Profiltiefe hat im Vergleich zu einem Winterreifen mit vier Millimeter immer noch um 50 Prozent weniger Schneegriff. „Das Fahren mit Sommerreifen - egal ob alt oder neu - auf Schneefahrbahn ist absolut gefährlich und ein Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer“, sagt Eppel.

    Zweimal pro Jahr wechseln!

    Nicht wenige Autofahrer nutzen die warmen Sommermonate, um Winterreifen mit weniger als vier Millimeter „fertig zu fahren“. Dabei wird aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko eingegangen. Durch die spezielle Winter-Gummimischung, die auf kalte Temperaturen ausgelegt ist, haben Winterreifen im Sommer ungünstige Auswirkungen auf den Bremsweg. Speziell bei nasser Fahrbahn verlängert sich der Bremsweg deutlich. Aber auch auf trockener Straße kommt ein Winterreifen im Sommer nicht an die Bremswerte eines Sommerreifens heran. „Wer bei der Reifenwahl auf größtmögliche Sicherheit Wert legt, kommt um den halbjährlichen Räderwechsel nicht herum“, sagt der ÖAMTC-Reifenexperte.

    Der passende Reifen mit der richtigen Gummimischung und genügend Profiltiefe ist auch nötig, damit ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) und ABS (Anti-Blockier-System) richtig funktionieren können. Mit den falschen Reifen ist der Sicherheitsvorsprung schnell leichtfertig verspielt. Deshalb immer vier gleiche Reifen verwenden, die nicht länger als vier Jahre gefahren worden sind und nie weniger als vier Millimeter Profiltiefe haben. Diese vier Millimeter Profiltiefe dürfen natürlich nicht schon am Anfang des Winters erreicht sein. „Im Zweifelsfall sollte beim Reifenkauf immer die Sicherheit vor finanziellen Überlegungen stehen“, sagt Eppel abschließend.

    Der große Winterreifentest 2011 – ein Leitfaden für den Neukauf

    27 von 30 Modellen schneiden gut bis sehr gut ab
    Heuer werden in Österreich insgesamt rund vier Millionen neue Winterreifen über den Ladentisch rollen. Rund eine Million Autobesitzer stehen also vor einer Entscheidung, die ihr sicheres Vorwärtskommen bei Regen und Schnee beeinflussen kann. Einen wichtigen Anhaltspunkt für die Kaufentscheidung liefern seit 44 Jahren die unabhängigen und umfassenden Reifentests des ÖAMTC und seiner Partnerclubs. Für den heurigen Winterreifentest wurden 14 Modelle der Größe 175/65 R14 T und 16 Pneus der Größe 195/65 R15 T auf Herz und Nieren geprüft. „Testkategorien waren das Fahrverhalten bei Trockenheit, Nässe, auf Schnee und Eis. Außerdem wurden der tatsächliche Kraftstoffverbrauch und der beim Fahren erzeugte Geräuschpegel gemessen. Ganz wichtig für das komplette Bild eines Reifenmodells ist aber auch die Bewertung des Reifenverschleißes“, erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel.

    Insgesamt konnten neun der 30 getesteten Reifen das Urteil „sehr empfehlenswert“ erreichen. 18 weitere schnitten mit „empfehlenswert“ ab. „Demgegenüber stehen nur zwei Modelle, die ‚bedingt empfehlenswert‘ sind. Lediglich ein Reifen musste mit ‚nicht empfehlenswert‘ beurteilt werden“, zieht der ÖAMTC-Experte eine durchaus positive Bilanz.

    Nachholbedarf in der Dimension 175/65 R14T
    Von den 14 getesteten Reifen der Dimension 175/65 R14 T wurden drei mit „sehr empfehlenswert“ bewertet. „Der Continental ContiWinterContact TS800 überzeugte mit Bestnoten auf Schnee und im Kraftstoffverbrauch, während der Michelin Alpin A4 vor allem beim Verschleiß punktete. Als guter Allrounder erwies sich der Dunlop SP Winter Response“, berichtet der ÖAMTC-Experte. Alle anderen Modelle in dieser Dimension zeigten leichte Schwächen in einzelnen Kriterien, wurden aber immer noch mit „empfehlenswert“ beurteilt. Darunter befinden sich erfreulicherweise Modelle aus dem mittleren Preissegment wie Sava oder Ceat, aber auch Premiumhersteller wie Goodyear mit dem brandneuen Ultragrip 8. In der großen Dimension erzielte dieses Modell übrigens eine Topplatzierung. „Damit hat sich die ÖAMTC-Strategie, Reifentests in verschiedenen Dimensionen parallel durchzuführen, einmal mehr als richtig erwiesen“, stellt der ÖAMTC-Reifenexperte fest. Der Falken Eurowinter HS 439 erhielt als einziges Modell die Beurteilung „bedingt empfehlenswert“. „Der japanische Hersteller konnte zwar die schwachen Nässe-Ergebnisse der Vorjahre verbessern, allerdings reichten die Werte auf Schnee nicht für eine bessere Bewertung“, erklärt Eppel.

    Hohe Qualitätsdichte bei 195/65 R15T
    In der am häufigsten verkauften Winterreifendimension 195/65 R15 T waren unter den 16 Testkandidaten neun völlig neue oder modifizierte Reifenmodelle. „Sechs der getesteten Pneus wurden mit ‚sehr empfehlenswert‘ beurteilt. Diese Reifen zeigten im Test eine sehr ausgewogene Leistung und konnten in unterschiedlichen Kriterien Akzente setzen“, erklärt der ÖAMTC-Experte. So überzeugten der Continental ContiWinterContact TS830 und der Semperit Speed-Grip 2 mit dem geringsten Verbrauch, während der Goodyear Ultragrip 8 die Bestnote auf Nässe erhielt. „Beim Michelin Alpin A4 wurde wiederum der geringste Verschleiß gemessen, der Pirelli Winter 190 Snowcontrol Serie 3 konnte hingegen auf Eis die beste Bewertung einfahren. Rundum konnte der Dunlop SP Winter Sport 4D überzeugen“, fasst der ÖAMTC-Experte zusammen

    Auch in dieser Dimension finden sich unter den „empfehlenswerten“ Produkten Modelle aus unterschiedlichen Preiskategorien, darunter auch der bei uns noch weitgehend unbekannte GT Radial aus Indonesien. Weniger gut schnitt beim ÖAMTC-Test auch in dieser Dimension der Falken Eurowinter HS439 ab. Dieser Reifen ist nur „bedingt empfehlenswert“, weil er wie in der kleinen Dimension Schwächen bei Schneefahrbahn aufweist. „Mit ‚nicht empfehlenswert‘ musste heuer nur ein Modell bewertet werden. Der Trayal Arctica aus Serbien glänzte zwar beim Verschleiß, zeigte aber leichte bis deutliche Schwächen bei fast allen anderen Prüfkriterien. Am deutlichsten trat die Schwäche des Reifens beim Griff auf nasser Fahrbahn zutage. Das wirkte sich beispielsweise durch sehr lange Bremswege aus und führte letztendlich zur Note ‚nicht empfehlenswert‘“, erklärt der ÖAMTC-Reifenexperte abschließend.

    Neue Bergprüfung deckt Kurvenschwäche auf
    Wer bei winterlichen Fahrverhältnissen auf einer kurvenreichen Bergstraße unterwegs ist, hat es vielleicht schon erlebt: In einer steiler werdenden Kehre muss Gas weggenommen werden, der Kurvenausgang ist besonders glatt und schon bleibt man hängen. „Für solche Missgeschicke ist meist nicht nur die Traktion, sondern die Seitenführung des Reifens verantwortlich. Wenn der Reifen zu stark nach außen schiebt, kann es sogar nötig sein, innerhalb der Kurve zu bremsen, um nicht in den Gegenverkehr zu rutschen. Auch in einer solchen Situation kann man hängen bleiben, weil der Schwung verloren geht“, weiß ÖAMTC-Experte Willy Matzke.
    Der ÖAMTC testete deshalb zusätzlich zu den Standardgrößen als einziger europäischer Club fünf Breit-Winterreifen der Dimension 205/55 R 16 H in einer speziellen Bergprüfung. „Die sportlichen Pneus wurden nach den Standardprüfungen wie Nass, Trocken, Eis, Verbrauch und Schnelllauf praxisnah auf einer mehreren Kilometer langen Bergstrecke getestet“, erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Willy Matzke. Da die breiten Pneus auch ein entsprechend sportliches Fahrzeug verlangen, wurden erstmals bei einem Winterreifentest auch Autos mit Turbolader eingesetzt. „Besonders ausgewogen präsentierte sich im ÖAMTC-Test der Semperit Speed Grip 2, der den Konkurrenzprodukten vor allem beim Bremsvorgang auf nasser Fahrbahn überlegen war. Auf den Plätzen zwei und drei dieser Sonderprüfung folgten der Pirelli Snowcontrol 3 und der Dunlop Winter Sport 4D“, fasst Matzke die Ergebnisse zusammen. Der neue Goodyear UG 8 und der Michelin Alpin 4 schwächelten in der Seitenführung.

    Tabelle gibt Überblick

    Wenn Sie sich nun für eine Garnitur neuer Reifen entscheiden möchten, dann konsultieren Sie die umfassende Tabelle, die sämtliche Testergebnisse aller Reifen bereit hält. Mit dieser Entscheidungshilfe wird der Reifenkauf zum Kinderspiel!

    Rubrik Motor & Technik | Ausgabe 11/11

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