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    Fotoapparate sind längst nicht mehr bloß überschwere ­Kästen mit Umlenkspiegeln und Filmrollen, die einem auf der Fototour den Hals langziehen und den altbekannten analogen Überraschungseffekt beim Filmentwickeln bescheren. Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR’s) haben den Einzug auch im Bereich der ambitionierten Hobbyfotografen längst hinter sich, wer echte Qualität und größtmöglichen Gestaltungsfreiraum bei seinen Fotos haben will, kommt an solchen Geräten nicht mehr vorbei. Natürlich gibt es immer noch die Verfechter analoger Fotografie, die durchaus auch ihre Stärken hat. Zu diskutieren, welche Technik nun „besser“ ist oder das schönere Endergebnis abliefert, würde jedoch ganze Bücher füllen. Wir konzentrieren uns hier nur auf DSLR’s, nicht nur, weil sie die Zukunft sind, sondern vielmehr, weil sie einen weit größeren Gestaltungsfreiraum bieten und deren Fotos später in allen nur denkbaren Formen mit vergleichsweise geringen technischen Mitteln nachbearbeitet werden können. Ähnlich verhält es sich bei den Camcordern. Die Ära der staubigen VHS Schulterkamera-Schwergewichte von vor 20 Jahren ist kaum mehr eine Erwähnung wert, HD-fähige Arbeitstiere mit diversen Multimedia-Fähigkeiten sind nunmehr state of the art.

    Fotografieren und Filmen sind heutzutage nicht mehr zwei getrennte mediale Ausdrucksformen, ihre Grenzen verschwimmen zusehends. Gute Fotoapparate können inzwischen TV- und HD-taugliches Videomaterial erstellen und Camcorder hochauflösende Fotos aufnehmen. Dadurch entsteht für den Anwender eine Vielzahl an neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Inhalte sind sofort digital verfügbar und können mit wenigen Clicks online gestellt und per Facebook, Youtube & Co der ganzen Welt präsentiert werden. Und wieder einmal kommen wir nicht an dem Ausdruck „Full HD“ vorbei, da natürlich auch die aktuellen Full HD-Bildschirme in unseren Wohnzimmern mit ihrer optimalen Auflösung bespielt werden wollen. Die meisten aktuellen, leistungsfähigeren Geräte – seien es nun Fotoapparate oder Camcorder – können Bildmaterial in HD-Ready verarbeiten (= „720p“, 1280 x 720 Pixel in Vollbildern), viele können aber auch Full HD-Material aufnehmen (= „1080p“, 1980 x 1080 Pixel in Vollbildern). Auch viele günstige Consumergeräte können das, allerdings liegt auch hier der Knackpunkt, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt: Während kleine Handycams und Kompaktfotoapparate zwar eine derart hohe technische Auflösung schaffen können, sind die Gestaltungsmöglichkeiten für das Endergebnis recht beschränkt, da die Kamera von alleine bestimmt, wie dieses aus­sehen wird. Anders verhalten sich Hybridkameras (Film und Foto) im höheren Preissegment: „Fotofilmer“ können sich nicht nur das deutlich größere Sensorformat und dessen höhere Lichtempfindlichkeit zunutze machen, sondern auch die Tatsache, dass man beim Filmen Blende und Fokus manuell „ziehen“ kann (selektive Bildschärfe). Außerdem denke man nur an die Gestaltungsmöglichkeiten, wenn man gute Foto-Optiken verwendet und deren enorme Möglichkeiten im Tiefenunschärfen-Bereich in das Endergebnis einfließen lässt. Stilelemente, die bisher nur Profis im Filmbereich mit sündhaft teurer Technik vorbehalten waren, sind jetzt zum Greifen nah. Mit diesen Tricks, einem gutem Equipment, einem Basiswissen im Bereich der Video- Postproduktion und etwas Talent kann man so manche professionelle Filmfirma wahrlich alt aussehen lassen.

    Eine weitere Gestaltungsform in der Fotografie, die sich besonders mit einer guten DSLR verwirklichen lassen, sind HDRI’s (High Dynamic Range Images), also Bilder mit einem besonders hohen dynamischen Umfang. Fotografiert man also eine sommerliche ­Szene mit einem strahlenden Himmel und einem Bild­element im Schatten, hat man mit der richtigen Belichtung zu kämpfen. Belichtet man zuviel, erkennt man das Motiv im Schatten gut, aber der Himmel ist nurmehr als überstrahlendes Weiß zu erkennen. Belichtet man im Gegensatz dazu weniger, wird zwar der Himmel schön gezeichnet, aber das Hauptmotiv im Schatten „säuft ab“ und ist nicht mehr richtig erkennbar. Hier bietet sich der Einsatz eines HDRI’s an. Dabei wird eine Szene mit mehreren unterschiedlichen Belichtungen mit niedrigem dynamischen Umfang, also mit normalen Fotos, abfotografiert und am Computer setzt man diese Bilder zusammen, um die bestmögliche Belichtung für die einzelnen Bildelemente zu erzielen. Somit entsteht ein Gesamtbild mit sehr hohem dynamischen Umfang. Gute DSLR’s bieten die Möglichkeit, automatische Belichtungsreihen (Auto-Bracketing) abzufotografieren. Dabei übernimmt der Fotoapparat die Belichtungssteuerung von selbst und macht eine Serienbildaufnahme. Mit diesen verschieden belichteten Einzelbildern derselben Szenerie und geeigneter Software kann dann mittels „Tone-Mapping“ (=Bilddynamikkompression) das fertige HDRI erstellt werden. Bei vielen Programmen können einzelne Parameter beim Tone-Mapping verändert werden, sodass man oft den ursprünglichen Sinn von HDRI’s (das Erfassen eines Bildes mit seinem in der Natur vorkommenden Dynamikumfang) übergeht und hyperrealistische, teils surreale Ergebnisse erhält. Ist man also an HDRI’s interessiert, sollte man sich eine DSLR mit Auto-Bracketing-Funktion (=AEB od. A- EV) zulegen. Ein robustes Stativ ist dabei sowieso anzuraten, bei Kameras ohne AEB ist es ein absolutes Muss.

    Eine sehr gute DSLR, mit der all diese Mediengestaltungsarten möglich sind, stellt die EOS 550D aus dem Hause Canon dar. Sie ist zwar noch im semi-professionellen Bereich angesiedelt, protzt aber mit einer Ausstattung, die in Wahrheit äußerst professionell ist. Sie bietet unter anderem einen 18 Megapixel CMOS- Sensor, der auch bei schwachem Licht gute Fotos bei geringem Bildrauschen abbilden kann. Mit einer schnellen SD-Speicher­karte sind Reihenaufnahmen mit bis zu 3,7 Bildern/Sekunde möglich. Ein sehr gutes Feature: Es können 1080p-Full-HD-Movies mit komplett manueller Bedienung bei 24, 25 oder 30 Bildern/Sekunde aufgenommen werden. Wenn man im „kleinen HD“ mit einer Auflösung von 720p aufnimmt, kann man mit der doppelten Bildrate aufzeichnen, was sich zum Beispiel für Slow Motions gut eignet oder noch flüssigere Darstellungen ermöglicht. Des Weiteren besitzt sie einen Anschluss für ein externes Mikrofon. Dieses hat den großen Vorteil, dass bei Filmaufnahmen die Kamerageräusche vom Gehäuse oder von der Optik wegfallen. In Kombination mit einem 18-55mm-Objektiv bewegt sich ihr Preis zurzeit bei zirka 780 Euro.

    Wer sich stärker für HD Video interessiert und Fotografie nicht als das Medium erster Wahl bezeichnet, sollte sich auf die Suche nach einem Camcorder machen, der oben genannte Vorteile mit sich bringt. Vollautomatische HD-taugliche Geräte, bei denen der User kaum Einfluss auf die Videoqualität hat, gibt es im Überfluss. Sucht man nach HD-Camcordern, bei denen man Blende, Shutter und Focus manuell einstellen kann, sieht es schon anders aus – da kommt man schnell in die Liga der broadcasttauglichen Schulter- beziehungsweise Kompaktkameras, für deren Anschaffung der Durchschnittsverdiener schon etwas länger arbeiten muss. Trotzdem gibt es zurzeit eine ziemlich gute Alternative: die Pana­sonic HDC-SD300. Mit einem Preis ab zirka 1.100 Euro liefert sie perfekte Bildqualität und manuelle Einstellmöglichkeiten mittels Objektivring, was andere Hersteller in diesem Preissegment immer noch missen lassen. Auch Fotos lassen sich mit einer Auflösung von 10,6 Megapixeln auf der SD-Karte speichern. Man muss nur beachten, dass man auch über eine geeignete Hard- und Software verfügt, damit man das datenintensive HD-­Material auch schneiden kann, denn hier fängt der eigentliche Spaß erst an.

    Rubrik Motor & Technik | Ausgabe 05/10

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