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    Standesamt, Warum Sie diesem Mann unbedingt Trauen sollten

    Warum Sie diesem Mann trauen sollten!

    Wenn Peter Schwarz – so wie meistens – um halb sieben­ Uhr morgens in sein Büro kommt, wartet ein arbeits­reicher Tag auf ihn: Geburten wollen registriert, Eheanträge behandelt werden. Aber auch die andere Seite des Lebens ist mehr als präsent: An manchen Tagen müssen bis zu drei bis sechs Sterbefälle  ausgestellt werden, in verschiedensten Altersklassen – auch das ist Aufgabe eines Standesbeamten. Und Peter Schwarz ist einer, der seinen Beruf ernst nimmt. Deshalb gehen ihm solche Situationen durchaus zu Herzen.

    2700: Herr Schwarz, in welchen Situationen haben Sie Ihren Beruf besonders gern und wann ist es besonders unangenehm?

    Schwarz: „Besonders unangenehm ist der Beruf logischerweise bei Sterbefällen. Überhaupt dann, wenn man erst ein paar Wochen vorher die Ehe geschlossen hat. Das betrifft meistens Personen, die schon im Krankenhaus stationiert sind, schwer krank sind. Da machen wir dann auch Trauungen im Krankenhaus, die so genannten Nottrauungen.“

    Diese sind eher eine Ausnahme, denn eine Hochzeit ist durchaus nicht an allen Orten­ möglich. In Wiener Neustadt ist der Trauungssaal im Alten Rathaus erlaubt. Verboten sind Trauungen unter freiem Himmel. Der skurril anmutende Grund dafür: Die unterzeichnete Trauungsurkunde könnte von einem Windstoß verweht, von Regen oder gar einem Brand zerstört werden. Die Pflicht des Standesbeamten ist es jedoch, die Urkunde vor Schaden zu schützen.

    Sobald jedoch alles organisiert ist und die Trauung stattfindet, beginnt für Peter Schwarz der schönste Teil seines Berufs:

    Schwarz: Eine Trauung, ich sage immer eine grüne Trauung, bei jungen Leuten, zwischen 19 und 25 Jahren – das ist so ungefähr das Alter, in dem die meisten Menschen die Ehe schließen – das ist dann schon schön, wenn jemand in weiß heiratet. Und wenn sie dann vor dir stehen und, kaum hast du angefangen zu reden, haben sie Tränen in den Augen… Und wenn man sie dann fragt, bringen sie da Ja gar nicht so richtig heraus, weil ihnen die Kehle so eng ist – das sind dann schon schöne Dinge.

    80 % der Trauungen finden an Samstagen vormittags statt. In einem Jahr sind es um die 200. Jedes Paar möchte natürlich eine schöne Zeremonie, und jedes Paar möchte sich an seinem großen Tag einzigartig fühlen. Peter Schwarz hat in seiner fast 25jährigen Dienstzeit schon mehrere tausend Trauungen durchgeführt.

    2700: Wie schafft man es trotzdem, jede einzelne Zeremonie zu etwas Besonderem zu machen?

    Schwarz: „Man lernt die Paare während der Ermittlung zur Ehefähigkeit ein bisschen kennen, ansonsten schaue ich mir die Unterlagen an: Wie alt sind sie, haben sie schon einmal geheiratet,… Und dann vari­iert man aufgrund der Erfahrung. Nachdem ich selber schon jahrelang verheiratet bin, seit 30 Jahren, rede ich auch aus eigener Erfahrung. Ich habe noch nie eine der vorformulierten Reden verwendet – aus dem einfachen Grund, weil sie viel zu geschwollen geschrieben sind. Und: Alles, was nicht von mir selber kommt, ist nicht ernst gemeint.“

    Wenn man auf jedes Paar eingeht, erarbeitet man sich nicht nur die Menschenkenntnis, die man für diesen Beruf braucht, man lernt auch viele Menschen kennen. Das Wiener Neustädter Standesamt, so Schwarz, sei für seine Diskretion bekannt, und so habe sich in den 1970er Jahren unter anderem Niki Lauda entschlossen, diese Tatsache für eine Trauung ohne viel Medienrummel zu nutzen. Nachdem er seine guten Erfahrungen an Franz Klammer weitergegeben hatte, entschied sich auch dieser für eine Trauung in Wiener Neustadt. Das war allerdings vor seiner Zeit, so Schwarz; bekannte­ Persönlichkeiten, die bei ihm geheiratet hätten, könne er nicht verraten – die Diskretion! Mittlerweile ist Schwarz jedoch selbst schon stadtbekannt.

    2700: Können Sie überhaupt durch die Stadt gehen, ohne erkannt zu werden?

    Schwarz: „Schwer. Aber Gott sei Dank musste ich bis jetzt noch keine Angst haben,­ dass mich jemand prügelt. Was natürlich vorkommt, ist, dass ich in der Stadt nicht gehen kann, ohne gegrüßt zu werden und das auch zu erwidern. Das ist auch nicht unangenehm, nur manchmal bin ich so in Gedanken – weil ich nicht aus dem Büro gehen und gleich abschalten kann – und dann erkenne ich eben nicht jeden.“

    Nicht nur die Bekanntheit kommt mit der langen Dienstzeit, auch der Alltagstrott – könnte man meinen. Doch man merkt, dass Peter Schwarz seinen Beruf gerne ausübt und mit ungetrübter Begeisterung mitfühlt. Bei jeder Zeremonie hat er auch heute noch Lampenfieber.

    2700: Sind Trauungen nach so langer Zeit für Sie noch berührend?

    Schwarz: „Jede Trauung, die ich mache, ist für mich etwas Besonderes, weil die meisten eine Generation jünger sind als ich, und ich mir denke: Siehst du, jetzt sind die Kinder, die du vor ein paar Jahren gesehen und ihre Geburt beurkundet hast, auch schon erwachsen.“

    2700: Sind Sie also ein Romantiker?

    Schwarz: „Ja. In solchen Momenten denke ich mir schon: ,Ist das nicht schön: Kaum haben sie laufen gelernt, kaum sind sie aus der Windel draußen, sind sie auch schon verheiratet.´ So schnell läuft nämlich das Leben. Es geht wirklich schnell.“

    2700: Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

    Zur Person:

    Geb. am 23. Okt. 1956, verheiratet seit 1981, stolzer Vater von zwei Söhnen (15 und 27 Jahre). Schulischer Werdegang: Volksschule­ Steinabrückl 1963-1968, Hauptschule Markt Piesting 1968-1972, Bundeshandelsakademie Wiener Neustadt 1972-1977 (Matura). Beruflicher Werdegang: 1978-1982 kaufmännischer Angestellter bei der Firma Gustana in Wien, 1982-1984 Außendienstmitarbeiter beim DAS-Rechtschutz, seit  November 1984 Standesamt Wiener Neustadt, seit März 1985 Standesbeamter, seit 1996 Leiter des Standesamts, Motto:

    1) Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter.­
    2) Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.
    3) „Stü da wos, daun host wos, und loss an jedn des Seine."

    Rubrik Mensch & Tier | Ausgabe 09/09

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