Mensch & Tier
Aus dem Nähkästchen
Der Mann an meiner Seite und ich hatten schon mehrmals überlegt, China zu bereisen, und so entschlossen wir uns heuer dazu.
Was wir auf dieser Reise sahen, überstieg aber bei Weitem meine Erwartungen. Das China, das wir zu sehen bekamen, ist ein modernes, extrem sauberes Land und die Leute sind überaus freundlich. Die Einkaufsstraßen sind wie in europäischen Städten. Die Grünanlagen in den Großstädten sind mit einer unglaublichen Sorgfalt gepflegt (wir haben auch das Glück, zur Zeit der Kirsch- und Mandelblüte dort zu sein). Auf den Grünstreifen zwischen den Autobahnen stehen Bäume in Reih und Glied, kleine und größere Hecken sind in allen möglichen geometrischen Formen oder in Tiernachbildung geschnitten, blühende Sträucher und Blumen mit ausgesuchtem Geschmack dazwischen gepflanzt. Kilometer für Kilometer fahren wir mit dem Bus an dieser Augenweide entlang.
Bei den Besichtigungen fällt uns auf, dass vor allem Chinesen, und da besonders alte Leute, sich mit großem Interesse und besonderer Disziplin die Sehenswürdigkeiten ansehen. Alle genießen die Möglichkeit, zum Beispiel einmal den Kaiserpalast zu besichtigen.
An den Wochenenden zieht es die Bewohner der Großstädte aus den kleinen Wohnungen in die vielen Parks , die nach dem Abriss der alten ebenerdigen Häuser angelegt wurden.
Dort sieht man an einer Stelle Leute tanzen, allein oder mit Partner, an anderer Stelle finden sich Sänger zusammen, oft 10 bis 20, die eine Oper zum Besten geben, drüben sitzen Leute mit Instrumenten beisammen und die Musik tönt durch den Park, an anderer Stelle tänzeln Mädchen oder Frauen mit langen bunten Bändern an kurzen Stöcken und malen damit schwungvolle Figuren in die Luft – kurzum, man hat das Gefühl, dass jeder sich vergnügt.
Besonders hat mich beeindruckt, dass viele ältere Männer durch die Parks gehen, mit einem Stock in der Hand, an dem eine nach unten offene Wasserflasche befestigt ist, aus dem ein am Ende des Stocks befestigter Schwamm das Wasser saugt. Auf diese Art werden auf den Beton oder Asphalt chinesische Zeichen gemalt, um sich im Schreiben zu üben und die mindestens 2.500 Zeichen, die das untere Limit an Bildung sind, um eine Zeitung lesen zu können, immer und immer wieder zu üben und sie so im Gedächtnis zu behalten.
Die Reise war ein großes Erlebnis und hat ein besonders positives Bild von China in meinem Kopf hinterlassen.


