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    Stadtgespräch

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    eigentlich über die Stadtviertel Bescheid?

    1. Die Innere Stadt
    1192 wurde Wiener Neustadt gegründet. Die Stadt ist nicht natürlich gewachsen, sondern wurde planmäßig angelegt. Die ältesten Häuser befanden sich im Bereich des „Grätzl“ genannten Häuserblocks in der Westhälfte des Hauptplatzes. Die vier vom Hauptplatz ausgehenden Hauptstraßen­ endeten mit den Stadttoren. Die Burg (heute­ die Militärakademie) befand sich in der südöstlichen Ecke der Stadt und stellte einen Eckturm der Stadtbefestigung. Von den drei anderen Ecktürmen der Stadtbefestigung existiert heute nurmehr der Reckturm. Weitere Türme waren in die Stadtmauer eingelassen. Das Rechteck, das von dieser umgeben war, wurde in vier Gebiete unterteilt: Das Minoritenviertel, das Deutschherrenviertel, das Liebfrauenviertel und das Dreifaltigkeitsviertel. Außerhalb der Stadtmauer befand sich fruchtbarer Boden, weshalb viele Bauern dort ihre Felder bestellten. Auch Gärtner siedelten sich an. Deutlich erkennbar ist das in den Namen, die einige der Vorstädte erhielten, zum Beispiel die „Zehnergärten“.

    Begrenzung: Fischauer Gasse - Grazer Straße - Corvinusring - Ungargasse - Neudörfler Straße - östliche Akademiemauer - südliche Akademiemauer - Günser Straße - Maria-Theresien-Ring - Bräunlichgasse - Kammanngasse - Haidbrunngasse - Kollonitschgasse - Äußere Dammgasse - Fischauer Gasse

    2. Die Zehnergärten – Zehnerviertel
    Auch „Zehnervorstadt“ genannt, begann des heutige Zehnerviertel direkt außerhalb der Stadtmauer. Vom Babenbergerring Richtung Westen dehnten sich Felder und Gärten aus, die durch den hohen Grundwasserspiegel – der heute vielen Hausbewohnern im Zehnerviertel Probleme bereitet – begünstigt waren. Diese Gärten waren durch Holzzäune begrenzt, daher der Name „Zehner“, was eine Bezeichnung für Zäune war. Die Bauern lieferten ihre Waren an die Innenstadt und mussten dabei durch eines der Tore der Stadtmauer. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ihr Anliegen
    Gehör, doch in der Nähe des Reckturms ein neues, kleines Tor durchzubrechen, um den Handel der Inneren Stadt mit der Zehnervorstadt im Westen zu erleichtern.

    Begrenzung: Äußere Dammgasse - Kollonitschgasse - Haidbrunngasse - Südbahn - Grenze zu Weikersdorf - Grenze zu Bad Fischau-Brunn - rechtes Fischa-Ufer

    3. Die Josefstadt
    Mit dem Anschluss an die Südbahnstrecke­ Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die Hochindustrialisierung in Wiener Neustadt ein. Große Fabriken wurden gebaut und immer mehr Arbeiter zogen in die Stadt. Das brachte ein großes Wohnungsproblem mit sich; viele mussten in unwürdigen Bedingungen unterkommen oder fanden gar
    keinen Platz, wo sie bleiben konnten. Julius Leopold Kinner, ein Wiener, der sich als Buchbinder in Wiener Neustadt niedergelassen hatte, nahm sich des Problems an und regte an, in der Arbeitergemeinschaft Geld zu sammeln, um eine Siedlung zu errichten. Im Norden der Stadt errichteten sie zwischen 1870 und 1874 schließlich über 50 Häuser, von denen viele sogar einen kleinen Garten hatten, damit sich die Bewohner so gut wie möglich selbst versorgen konnten. Bis 1892 war die Siedlung auf 2008 Häuser angewachsen. Wegen der – für damalige Verhältnisse – recht liberalen Wirtschaftspolitik von Kaiser Josef II nannte man die neue Siedlung „Josefstadt“.

    Begrenzung: Grenze zu Lichtenwörth - linkes Fischa-Ufer - Grazer Straße (Auge Gottes) - Fischauer Gasse - Äußere Dammgasse - Äußere Bahnzeile - Pottendorfer Linie­ - Wiener Neustädter Kanal - Grenze zu Eggen­dorf - Grenze zu Lichtenwörth

    4. Das Flugfeld
    Die zugezogenen Arbeiter bestimmten auch das Erscheinungsbild eines anderen Stadtteils, nämlich des heutigen Flugfelds. 1899 errichteten die Daimler-Werke dort eine große Fabrik, in der Autos entwickelt und hergestellt wurden. Auch hier gab es ein großes Problem mit Unterkünften; selbst wer eine hatte, musste oft in schwierigen Umständen leben. Manche fanden nur in einem alten Stall einen Platz zum Schlafen.­ Dieses Problem wollte man beheben; nach und nach entstanden mehrere Arbeitersiedlungen. Eine davon unterstützte die Krankenkasse mit Kapital; die „Daimler-Häuser“ wurden großteils mit Kapital des gleichnamigen Unternehmens errichtet.

    Eine Siedlung schrieb österreichweit Geschichte, denn sie war das erste soziale Wohnbauprojekt, das von der öffentlichen Hand finanziert wurde: Die erste kommunale Arbeiterwohnanlage der Republik Österreich“ wurde 1922 am Flugfeld fertig­gestellt. Zuvor waren schon einzelne Projekte von der Stadt Wiener Neustadt unterstützt worden, zum Beispiel das „Stadthaus“ an der Wöllersdorferstraße mit 46 Wohnungen und 131 weitere Wohnungen, die an die „Daimlerhäuser“ angebaut wurden.

    Begrenzung: Grenze zu Bad Fischau-Brunn - Grenze zu Wöllersdorf - Nordspange­ - Grenze zu Wöllersdorf - Nordspange - Grenze zu Theresienfeld - Theresienfelder Gasse - Äußere Bahnzeile - Äußere Dammzeile - linkes Fischa-Ufer - Grenze zu Bad Fischau-Brunn

    5. Die Ungargärten – Ungarviertel
    Auch im Namen dieses Stadtteils ist erkennbar, dass die Innere Stadt einst von Gärten und Feldern umgeben war und fruchtbaren Boden bot. Es gibt die Geschichte – oder Legende, darüber herrscht Uneinigkeit – dass zumindest einer der Gründe für die Anlage der Stadt Wiener Neustadt der Wunsch war, eine starke Befestigung gegen Ungarn zu haben. Das Ungarviertel, heute östlich der ehemaligen Stadtmauer,­ hat sich in jene Richtung erstreckt, in der das Nachbarland – damals ein Feind der Monarchie – lag. Eines der Stadttore, das „Ungartor“, führte direkt in die „Ungar­gärten“. Eine Mautstelle­ lag, wie auch bei den Zufahrts­straßen der anderen Stadttore, an der Hauptstraße durch das Viertel und bestand dort bis 1927, als es an den Kehrbach versetzt wurde. Im 20. Jahrhundert profitierte das Ungarviertel vom Engagement des damaligen Bürgermeisters Rudolf Wehrl. In seiner Amtszeit wurden dort unter anderen das Stadion und das Stadtheim gebaut.

    Begrenzung: Grazer Straße - rechtes Fischa-Ufer - Grenze zu Lichtenwörth - Grenze zu Neudörfl - Grenze zu Katzelsdorf - südliche Akademiemauer - östliche Akademiemauer - Neudörfler Straße - Ungargasse - Grazer Straße

    6. Die Gymelsdorfer Vorstadt
    An die Südseite der Stadtmauer angeschlossen, gehörte auch dieser Stadtteil lange nicht zur eigentlichen Stadt, die sich innerhalb der Mauern befand, und blieb deshalb eine „Vorstadt“. Sie erstreckt sich heute bis zu den Grenzen zu Saubersdorf und Weikers­dorf und wird in Wiener Neustadt unter anderen von der Bräunlichgasse­ und dem Stadtpark begrenzt. Der Park gehört noch zur Vorstadt; er war früher das so genannte „Glacis“, eine unverbaute Fläche­ vor der Burg beziehungsweise Militär­akademie, die von einem Wall begrenzt wurde. Der Burggraben, der zu Zeiten der Monarchie noch existierte, wurde später zugeschüttet. Einige Häuser, die auf dieser Schüttung erbaut wurden, sackten im 20. Jahrhundert teilweise ab, sodass sich Risse­ im Gemäuer bildeten. Manche mussten ­sogar abgerissen werden.

    Begrenzung: Kammanngasse - Bräunlichgasse - Maria-Theresien-Ring - Günser Straße - südliche Akademiemauer - Grenze zu Katzelsdorf - Grenze zu Lanzenkirchen - Grenze zu Schwarzau am Steinfeld - Grenze­ zu Breitenau - Grenze zu Sankt Egyden am Steinfeld - Grenze zu Weikersdorf Südbahn - Südbahngasse - Haidbrunngasse - Kammanngasse

    Die Neuen
    Das waren die sechs „alten“, traditionellen Stadtteile von Wiener Neustadt. Seit 2007 gibt es noch zwei neue in der Liste:

    7. Die Civitas Nova, rund um die Arena Nova, die FH und das neue Wirtschafts- und Industriegebiet von Wiener Neustadt; und 8. die Heideansiedlung, eine Häuseransammlung, die ursprünglich weit außerhalb der Stadt lag, eben „auf der Heide“. Sie existiert in etwa seit 1770. Gerade im vorigen Jahrhundert ist Wiener Neustadt jedoch stark gewachsen und hat sich auch in Richtung der Heideansiedlung ausgedehnt. 2007 wurde auch sie zu einem offiziellen Stadtviertel gemacht.

    Begrenzung Civitas Nova: Grenze zu Theresienfeld - Grenze zu Eggendorf - Wiener Neustädter Kanal - Pottendorfer Linie -
    Äußere Bahnzeile - Theresienfelder Gasse - Grenze zu Theresienfeld

    Begrenzung Heideansiedlung: Grenze zu Theresienfeld - Grenze zu Eggendorf -
    Wiener Neustädter Kanal - Pottendorfer
    Linie - Äußere Bahnzeile - Theresienfelder Gasse - Grenze zu Theresienfeld
    Quellen:
    Karl Flanner „Aus der Geschichte des
    Zehnerviertels“, „Julius Leopold Kinner.
    Gründer der Arbeitersiedlung Josefstadt“, „Am Flugfeldviertel“, Wendelin Boeheim „Baugeschichte von Wiener Neustadt“
    (aus 1888), Stadtarchiv (Sabine Singer), wikipedia.org

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 07-08/10

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