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    Stadtgespräch

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    … wo sich die „alte Schwemme“ befindet?

    Am Platz vor der Vorstadtkirche in der Wiener Straße gab es bis vor einigen Jahrzehnten eine alte „Schwemme“, früher auch „Schwabbank“ genannt. Wie auch an vielen anderen Orten in Wiener Neustadt, wurde dort von den Frauen Wäsche gewaschen, bevor dafür die Waschmaschine erfunden wurde. Die Schwemme vor der Kirche lag am Polierbach, einem künstlich angelegten Gewässer. 1816 wurden die Waschbänke an diesem Platz erstmals urkundlich erwähnt.

    Die Stadt hilft den Wäscherinnen

    Auf der anderen Straßenseite befand sich der „Hängplatz“, wo die Wäsche nach der Reinigung zum Trocknen aufgehängt wurde. Der Wiener Neustädter Historiker Karl Flanner beschäftigte sich 1980 im Amtsblatt mit den alten Waschplätzen und fand heraus, dass einige der Schwemmen so vielbesucht waren, dass die Gemeinde sogar stabile Bänke und Dächer gegen den Regen errichten ließ. Benutzt wurden die Schwemmen bis ins 20 Jahrhundert.

    Römerreste

    Heute kann man vor der Vorstadtkirche etwas besichtigen, was schon lange vor den „Waschweibern“ dort war – den Rest einer Straße, die zur Zeit der Römerherrschaft gebaut wurde. Außerdem gibt es natürlich die Kirche selbst zu sehen: Sie wurde von Franz Leopold Freiherr von Zungaberg gegründet, dem Sohn türkischer Einwanderer. Sein Vater,­ Mehmed Csonkabeg, war 1686 in Österreich in Gefangenschaft geraten und hatte den österreichischen Behörden im Verhör wichtige Informationen geliefert. Seine Familie folgte ihm nach Wiener Neustadt und konvertierte zum Christentum.

    Besonders beeindruckt waren sie offenbar vom Jesuitenorden; jedenfalls verfügte ihr ältester Sohn, Franz Leopold, in seinem Testa­ment, dass „auf der Heide zwischen Sollenau und Wiener Neustadt“ eine Kirche gebaut werden solle. Damals lag dieser Platz – anders als heute – noch vor den Stadtmauern, daher der Name „Vorstadtkirche“. 1745 wurde das fertige Gebäude dem Heiligen Leopold geweiht.

    Gründung des Truppenspitals

    Wenige Jahrzehnte später wurde der Jesuitenorden aufgelöst und die anschließenden Klostergebäude fielen 1791 an die Stadtgemeinde. Noch im selben Jahr wurden sie zum Truppenspital umfunktioniert. 115 Jahre lang wurden dort verwundete Soldaten versorgt, bis 1903 das Kaiser-Franz-Joseph-Truppenspital eröffnet wurde.

    Ein Jahr später zog das Stadtmuseum, das damals schon unter anderem den Corvinusbecher beherbergte, in die alten Mauern ein. Die Sammlung des Museums wurde immer umfangreicher und wieder, 90 Jahre später, tauschte man die Räumlichkeiten mit dem bis dahin in St. Peter an der Sperr ansässigen Stadt­archiv.

    Von den „Schlüsselherren“ zum Stadtarchiv

    Das Archiv ist eines der ältesten Österreichs; schon 1396 wurde die erste Urkunde der Stadt zur „besonderen Aufbewahrung“ den so genannten Schlüsselherren übergeben. Aus dieser Funktion entstand später ein ganzes Archiv, in dem Werke zur Stadtgeschichte, Melde­register, Aktenverkehr und Urkunden aus mehreren Jahrhunderten lagern. Für Besucher lohnt sich schon allein der Blick in den Leseraum, in dem barocke Aktenschränke und knarzende Dielen jenes historische Gefühl vermitteln, das den ganzen Platz der alten Schwemme und seine Gebäude umgibt.

    Quellen:
    Stadtarchiv, Stadtmuseum, Karl Flanner
    „Die Schwäbbank von einst“
    in Amtsblatt Nr. 10/1988

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 11/10

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