Stadtgespräch
Wussten Sie, ...
dass die Kuckucksuhr aus drei Uhren besteht?
Von Caroline Mempör
Die Sensation der Region
1957 wurde die Uhr eingeweiht. Sie galt als Kuriosum, sie war einzigartig – und so reisten viele „Zuschauer“ eigens nach Wiener Neustadt, um die ersten Rufe von Kuckuck und Wachtel zu hören und zu sehen. Auch heute steht die drei Meter hohe Uhr noch an ihrem Platz, aber rund um sie ist Einiges passiert. Im Mai 1974 feierte ganz Wiener Neustadt die Eröffnung einer Fußgängerzone, in der die Uhr von nun an stand. Der Uhrmacher Pichler gehörte zu jenen, welche die Umwandlung in eine autofreie Zone maßgeblich unterstützten.
Drei Uhren bilden eine
Die Kuckucksuhr besteht aus insgesamt drei Uhren: Im Geschäft des Uhrmachers – beziehungsweise im heute dort befindlichen Reisebüro – stehen eine Funkuhr und die eigentliche Kuckucksuhr. Die Erste empfängt das Signal mit der Uhrzeit. Die zweite ist für die akustischen Signale – also die Kuckucks- und Wachtelrufe – zuständig. Diese und die Uhrzeit werden dann über ein Kabel zum Nebenuhrwerk der Kuckucksuhr vor dem Geschäft gesendet. Dieses regelt wiederum die Rufe des Kuckucks zu den vollen Stunden sowie die der kleineren Wachtel – sie lässt ihren Ruf alle 15 Minuten erschallen.
Kleines Wahrzeichen
Dieses komplexe Uhrwerk war nicht nur bei seiner Einweihung einzigartig, sondern ist bis heute eine Besonderheit – und vielleicht sogar ein kleines Wahrzeichen – der Stadt Wiener Neustadt geblieben. Im Lauf dieser Jahrzehnte waren jedoch einige Reparaturen nötig. 1970 machte sich der Uhrmacher Felix Pichler an die Instandsetzung seiner Kreation. Er baute eine Neufassung – die Uhr wurde ausgetauscht und das Gehäuse renoviert – und stellte diese am selben Platz wieder auf.
Der Zahn der Zeit
Nur 15 Jahre später war eine weitere Renovierung notwendig. Wieder war es Felix Pichler, der sich darum kümmerte. Im Juli 1985 verkündete die „Rathauskorrespondenz“ – wohl die damalige Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde – die neuerliche Inbetriebnahme der Uhr und lobte sie als längjährigen „attraktiven Beitrag zur Gestaltung des Stadtbildes“. Dass sie das bis heute bleiben konnte, ist nicht zuletzt der Verdienst von einigen Mechatronikstudenten der FH Wiener Neustadt.
Viele Helfer
Nach seinem Tod 1993 konnte sich Felix Pichler nicht mehr um sein Werk kümmern; als die Uhr 2005 stehen blieb, beschlossen FH Studenten, die Reparatur zu übernehmen. Das alte, voll mechanische Uhrwerk wurde gegen ein digitales ausgetauscht, die Konstruktion mit Haupt- und Nebenuhren blieb bestehen. Und wenn an den beliebten Figuren – dem Kuckuck und der Wachtel – Schäden auftreten, ist einer immer zur Stelle: Peter Hanakamp. Felix Pichlers „erster und letzter Lehrling“, wie er sagt, hat als junger Mann schon an der ersten Uhr mitgebaut. Bei seinem lebenslangen Freund und Lehrmeister revanchiert er sich, indem er weiterhin einen Beitrag zum Bestehen der Kuckucksuhr leistet.



