Stadtgespräch
Eine brennende Geschichte
Zur Gründerzeit von Wiener Neustadt (um 1194) waren in die meisten Häuser der Stadt fast zur Gänze aus Holz gebaut. Aus diesem Grund gab es immer wieder Feuersbrünste, die eine starke Bedrohung für die Bevölkerung darstellten. In einer Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1451 findet man zum ersten Male die Erwähnung von Feuerspritzen, also von maschinellen Geräten zur Brandbekämpfung. Am 31. Dezember 1807 wurde auf Basis der „Josephin’schen Feuerordnung“ für Landstädte und Märkte aus dem Jahr 1782 eine Feuerlöschordnung erlassen, die in mehreren Abschnitten sehr ausführliche Bestimmungen darüber enthielt, was bei der Brandverhütung zu beachten war, wie die Brandmeldung erfolgen sollte, wer die Feuerlöschgeräte zu bedienen hatte und welche Vorkehrungen nach gelöschten Bränden zu treffen waren. Diese Feuerlöschordnung ersetzte die bisher gültige Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1761 und sollte bis 1870 Gültigkeit haben.
Von der „Turnfeuerwehr“ zur Stützpunkt-Feuerwehr
Am 23. Juli 1862 wurde vom Gemeindeausschuss die Satzung des Vereines „Turnfeuerwehr“ genehmigt und diesem auch eine Anzahl von Feuerlöschgeräten aus dem Gemeindevorrat übergeben. Besonders kostenintensiv war die Instandhaltung großer Schlauchvorräte, die – solange es in Wiener Neustadt keine Wasserleitungen gab – unbedingt notwendig war. Die Turnfeuerwehr schlug daher den Weg der freiwilligen Spenden ein, um ihre Ausrüstung finanzieren zu können. In den umliegenden Ortschaften gab es zu dieser Zeit entweder noch gar keine oder nur sehr primitiv eingerichtete Feuerwehren. Das Beispiel Wiener Neustadt dürfte aber in der gesamten Umgebung Eindruck gemacht haben, was sich daraus schließen lässt, dass die ältesten Feuerwehren Niederösterreichs in Leobersdorf (gegründet 1864), Gloggnitz (gegründet 1864), Baden und Bad Vöslau anzutreffen sind. Im Jahre 1870 übernahm die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wiener Neustadt die Verpflichtung, auch außerhalb des Stadtgebietes bei Bränden Hilfe zu leisten. Sie wurde also zur Stützpunkt-Feuerwehr im heutigen Sinn.
Gut bestückt im 19. Jahrhundert
Zur Zeit des 25. Jubiläums unserer Feuerwehr, im Jahre 1887, zählte die Stadtfeuerwehr 175 Mitglieder – und zwar zwei Hauptleute, vier Zugsführer, einen Zeugmeister, 42 Steiger, 82 Löschmänner, 18 Sanitätsmänner und 46 Schutzmänner. Auch die maschinelle Ausrüstung war beachtlich. 13 pferdebespannte Fahrzeuge, Steckleitern, fünf dreiteilige Dachleitern, 800 Meter Schläuche und ein beachtlicher Vorrat von Arbeitswerkzeugen für Waldbrände und ähnliche Ereignisse standen den Wehrmännern zur Verfügung. Im Jahre 1892 wurde die erste Dampfspritze angeschafft. Doch auch die Motorisierung der Feuerwehr wurde vorangetrieben: 1917 wurde das erste Motorfahrzeug, nämlich eine Automobilspritze der Firma Austro-Daimler Type 20 HP, angeschafft. In dieser Zeit war die Feuerwehr besonders durch Verwundetentransporte vom Bahnhof in die Lazarette der Stadt gefordert, betrieb sie doch schon seit dem Jahr 1900 den Krankentransport in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz.
Erste NÖ Feuerwehrschule errichtet
Am 15. Juni 1932 wurde das Objekt Herrengasse 28, ein Teil des Fabriksgebäudes der ehemaligen Reyer'schen Zuckerfabrik, erworben, renoviert und dort 1933 die erste Niederösterreichische Feuerwehrschule errichtet. Nach dem Anschluss Österreichs an des Deutsche Reich wurde die Freiwillige Feuerwehr 1939 als Verein aufgelöst und zu einer Gemeindeeinrichtung. In dieser Zeit wurde die motorisierte Luftschutzpolizei, eine Feuerwehreinrichtung, die dem Reichsluftfahrtsministerium unterstand, aufgestellt. Die Männer der Luftschutzpolizei gingen ihren normalen Berufen nach, teils wurden sie aber – besonders zur Zeit der heftigen Angriffe – kaserniert. Knapp vor Kriegsende wurden sämtliche Einheiten der Luftschutzpolizei samt ihren modernen Fahrzeugen nach Westen verlegt. Die Löschfahrzeuge der Feuerwehr verschwanden ebenfalls zu Kriegsende. Nur zwei – kaum betriebsbereite, benzin-elektrisch betriebene –Löschfahrzeuge und die alte Dampfspritze blieben zurück.
Nach 1945 in Hochform
In der Zeit nach 1945 war Wiener Neustadt die am besten ausgestattete Feuerwehr Niederösterreichs. Dies war in erster Linie dem damaligen Kommandanten Ing. Josef Strobl und dem ehemaligen Schulleiter Erich Lauberer zu verdanken, die sich erfolgreich für die Rückführung zahlreicher verschleppter Feuerwehrgeräte und –fahrzeuge einsetzten. In den Jahren 1946 und 1947 trat eine große Anzahl von Schülern und Arbeitern der Feuerwehr bei. Auch einige Kriegsheimkehrer fanden wieder zur Feuerwehr.
Erste Feuerlösch- und Bergebereitschaft NÖs entsteht
Das Jahr 1957 kennzeichnete ein für die niederösterreichischen Feuerwehren sehr wichtiges Ereignis. Kdt. Ing. Strobl, DI Leiß und Josef Mohr aktivierten den Gedanken an eine überörtliche Feuerwehreinsatztruppe, sodass nach ihren Angaben die erste Feuerlösch- und Bergebereitschaft Niederösterreichs ins Leben gerufen und anlässlich des 95. Bestandsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt im Jahre 1957 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Gründung Feuerwehrjugend
Zur Sicherung des Nachwuchses wurde 1971 die Feuerwehrjugend gegründet. Mehr als zwei Drittel des Nachwuchses kommt auch heute noch aus der Feuerwehrjugend. War das Beitrittsalter zur Zeit der Gründung noch 12 Jahre, so werden seit dem Jahr 1998 bereits Jugendliche ab dem 10. Lebensjahr aufgenommen.
Einführung stiller Alarm
Im Jahr 1972 feierte die Feuerwehr ihr 110-jähriges Bestandsjubiläum, bei dem ein neues Tanklöschfahrzeug 4000 und eine hydraulische 30-Meter-Drehleiter mit Korb in Dienst gestellt werden konnten. Im gleichen Jahr wurde noch vom NÖ Landesfeuerwehrverband ein Kommandofahrzeug für den FuB Dienst, ein Rüstfahrzeug und ein Transportfahrzeug mit einer Trinkwasseraufbereitungsanlage zur Verfügung gestellt. Schon zwei Jahre später, im Jahre 1974, wurde ein schweres Löschfahrzeug mit einem Wasserwerferanhänger angeschafft. Die Einführung der stillen Alarmierung im Jahr 1975 machte die Alarmierung mit Sirene in weiten Bereichen hinfällig.
1. Installierung Brandmeldezentrale
Der 1968 in Dienst gestellte Autokran war in Folge des Ausbaus der Südautobahn und des drastisch zunehmenden Autoverkehrs bald wieder zu schwach geworden und so konnte im Jahr 1976 ein 20-Tonnen-Autokran, der vom Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverband aus Mitteln des Katastrophenfonds finanziert worden war, in Betrieb genommen werden. 1980 kam es zur ersten Installierung einer automatischen Brandmeldeanlage.
Neubau Feuerwehrhaus
Im Zuge des Neubaus des Feuerwehrhauses, der vor allem durch Kommandant Otto Sommer vorangetrieben wurde, wurden aber auch in der Alarmierung neue Akzente gesetzt. Am 17. April 1982 wurde die erste Funksirenenfernsteuerung mit 19 Feuerwehren aus dem Bezirk Wiener Neustadt in Betrieb genommen und im August 1982 folgte die Inbetriebnahme der Gegenstelle zu den Brandmeldeanlagen verschiedener Betriebe in Wiener Neustadt (TUS-Anlage). Am 9. Oktober 1982 war es dann so weit, das neue Feuerwehrhaus wurde offiziell eröffnet. 1987 feierte die Feuerwehr Wiener Neustadt mit einem großen Festakt auf dem Hauptplatz ihr 125-jähriges Bestehen. Rund 800 Mann aus dem Bezirk Wiener Neustadt nahmen an dieser Großveranstaltung teil.
Die Ära Herbert Schanda
Am 24. Jänner 1992 wurde Ing. Herbert Schanda als Nachfolger von Otto Sommer zum Feuerwehrkommandanten gewählt, nachdem er schon seit dem Jahr 1984 als Feuerwehrkommandant-Stellvertreter und seit dem Jahr 1991 auch schon als Bezirksfeuerwehrkommandant tätig war. Er setzte die Aufbauarbeit von Otto Sommer fort und legte seinen Schwerpunkt auf die Erneuerung des Fuhrparks und in weiterer Folge auf die Anschaffung neuer Einsatzanzüge und Schutzjacken für die Feuerwehrmänner sowie den Ausbau des Sirenennetzes im Stadtgebiet. Am 3. März 1996 wurde Kommandant Herbert Schanda zum Landesfeuerwehrkommandanten-Stellvertreter von Niederösterreich gewählt.
Die Feuerwehr heute
Aufgrund der Platznot der Feuerwehr wurden verschiedenste Varianten einer Erweiterung, aber auch einer Auslagerung von Teilen der Geräte diskutiert. Noch 2005 konnte auf der, der Zentrale gegenüber liegenden Seite des Babenbergerringes ein Grundstück für einen Zubau durch die Stadt erworben werden. 2008 bis 2009 wurde dort unter dem Kommando von Josef Bugnar (seit 2006 Kommandant der Stadtfeuerwehr) ein neuer Garagentrakt mit einem Mehrzwecksaal gebaut. Gleichzeitig wurden auch das Zentralgebäude und die Bezirksalarmzentrale renoviert.
Die Geschichte der Neustädter
Feuerwehr in 9 Bänden
Der ehemalige Kommandant Ehren-Landesbranddirektor Ing. Herbert Schanda machte sich nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Feuerwehrdienst an dieses Mega-Projekt: In neun Bänden, die in unregelmäßigen Abständen jeweils zu einem besonderen Anlass erscheinen sollen, wird die Geschichte der Stadtfeuerwehr aufgearbeitet werden. Geplant ist, dieses Vorhaben bis zum Jahre 2012 – dem Jahr, in dem die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wiener Neustadt ihr 150-jähriges Bestehen feiern wird – abzuschließen.
Band I (Die Vorzeit / Von der Gründung der Stadt bis zur Gründung der Feuerwehr 1192 bis 1862) ist anlässlich des Abschlusses der Arbeiten zur Erneuerung der Bezirksalarmzentrale 2009 erschienen. Band II (Die Feuerwehrzentrale / Vom Bezug des Stadthofes über das erste Gebäude in der Herrengasse bis zum heutigen Bau) und Band III (Der Fuhrpark im Wandel der Zeit) werden bei der Eröffnung des neuen Garagentraktes am 14. Mai 2010 der Öffentlichkeit präsentiert.
Erhältlich sind diese Bände kostenlos bei der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt, Babenbergerring 6. Spenden für die Unkosten werden gerne angenommen.



















