Stadtgespräch
Der Gutshof im Wandel der Zeit
Von Sonja Knotek
Blickt man auf die Anfänge des Gutshofs zurück, so war es in den Wirren des Ersten Weltkriegs – genauer gesagt: im Oktober 1916 – als sich die Stadt Wiener Neustadt entschied, eine städtische Ökonomie zu errichten. Infolge der Kriegsjahre war es auch in Wiener Neustadt zu tiefgreifenden Veränderungen in den Lebensbedingungen der Bewohner und damit auch zu Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung gekommen. Weiters mussten tausende Menschen, die in der Kriegsindustrie der Stadt, vorwiegend in der Munitionsfabrik, Arbeit fanden, ebenfalls untergebracht werden. Durch den zahlreichen Zuzug war die Bevölkerungszahl rasch über 62.000 angestiegen und das Versorgungsproblem der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gestaltete sich immer schwieriger. Um diese Probleme in der Lebensmittelversorgung zu beseitigen, beschloss der Gemeinderat am 17. Oktober 1916 den Ankauf einer Ökonomie.
Ausbau der Ökonomie
Schon einige Monate nach der Gründung der Ökonomie erwarb die Stadtgemeinde weitere Realitäten in der Stadlgasse. Rund 40.000 Quadratmeter wurden angekauft, um den Ökonomiebetrieb auszubauen. Fast genau ein Jahr danach – im Oktober 1917 – wurde der Betrieb neuerlich erweitert. Die Gemeindeverwaltung beschloss, das Katzelsdorfer Schlossgut (bei Frohsdorf) zu pachten. Insgesamt handelte es sich um eine Fläche von 149 Hektar.
Gründung „Stadtwerke“
Im Jahre 1930 wurden die erwerbswirtschaftlichen Betriebe, die bis dahin als selbständige Einheiten geführt wurden, unter eine einheitliche Leitung gebracht und in das neu gegründete Unternehmen „Stadtwerke“ eingegliedert. 1933 wurde der Ökonomiebetrieb von der Stadlgasse in die Neudörfler Straße verlegt, wo sich der städtische Gutshof bis zum Jahr 2007 – eingegliedert in der Wiener Neustädter Stadtwerke und Kommunal Service GmbH – befand. „Aus strategischen und operativen Überlegungen, aber nicht zuletzt aufgrund der Notwendigkeit, den Faktoren Mensch und Maschine eine zeitgemäße, effiziente und moderne Einrichtung zur Verfügung zu stellen, entschlossen sich die Eigentümer für einen Neubau des Gutshofs am heutigen Standort“, so Peter Eckhart, Geschäftsführer Wiener Neustädter Standwerke und Kommunal Service GmbH.
Der heutige Gutshof
Das Anforderungsprofil des heutigen Gutshofs hat sich im Laufe seines Bestehens deutlich gewandelt. Von der einstigen Grundsicherung der Bevölkerung mit Lebensmittel, stellt sich der Gutshof unserer Zeit neuen Herausforderungen und Anforderungen. Auf einer Fläche von rund 340 Hektar Ackerland werden Raps, Mais, Weizen, Gerste, Erbsen und Triticale (eine Getreidezüchtung aus Weizen und Roggen, Anm. d. Red.) angebaut. Bereits jetzt beliefert der Gutshof die AGRANA mit dem Ertrag von 25 Hektar Triticale, aus dem in weiterer Folge Bioethanol gewonnen wird.
Wasserschutz & Natura 2000
Eine weitere wichtige Aufgabe des Gutshofs ist die extensive Bewirtschaftung der Wiener Neustädter Wasserschutzgebiete. Darüber hinaus werden rund 35 Hektar von Natura 2000-Gebieten im Bereich der Civitas Nova bewirtschaftet beziehungsweise gepflegt. In Zusammenarbeit mit der Abfallwirtschaft der WNSKS werden bis zu 3.000 Tonnen Kompost pro Jahr produziert. Damit verbunden kann eine deutliche Verbesserung der Qualität des Steinfelder Bodens erwirkt werden.
Landschaftspflege
Der Gutshof ist aber auch zuständig für die Landschaftspflege: Die gesamten Mäh- und Baumschneidearbeiten im Akademiepark der Theresianischen Militärakademie werden von Mitarbeitern des Gutshofs erledigt. Überdies ist der Gutshof am Winterdienst der Stadt beteiligt. So werden rund 60 Straßenkilometer im Musikantenviertel und in der Leithakolonie betreut.
655 Kubikmeter Beton & 53 Tonnen Stahl
Mit der Übergabe und Inbetriebnahme dieses neuen und modernen Gebäudes wurde den Ansprüchen der heutigen Zeit Rechnung getragen. Insbesondere wurden für den Bau des Gutshofs rund 655 Kubikmeter Beton und rund 53 Tonnen Stahl auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern verarbeitet. Das bebaute Areal umfasst die Getreidehalle mit Lagerboxen zur Getreidespeicherung und die Saatgutaufbereitungsanlage. Darüber hinaus ist das Gebäude mit modernen Büro-, Aufenthalts- und Sanitärräumen ausgestattet.
Quelle:
Peter Eckhart, Geschäftsführer Wiener Neustädter Standwerke und Kommunal Service GmbH







