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    Stadtgespräch

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    100 Jahre Frauentag:

    Gut ausgebildet, schlecht bezahlt BMin Gabriele Heinisch-Hosek und BM Rudolf Hundstorfer diskutieren mit Interessierten die Erkenntnisse des Frauenberichts 2010 Von Anita Oberhofer

    „100 Jahre Frauentag ist für uns ein guter Anlass, um einen Blick zurück auf die interessante Geschichte der Frauenbewegung zu werfen. Wir dürfen uns in vielen Bereichen über sichtbare, sehr positive Entwicklungen freuen, doch wie der aktuelle Frauenbericht belegt, hat sich der Progress in den letzten Jahren deutlich verlangsamt“, fasst Frauenstadträtin Mag.a Isabella Siedl das Motto des diesjährigen Frauentages kurz zusammen. Im internationalen Vergleich rangiere Österreich mit seinen Bemühungen bei Weitem nicht im Spitzenfeld. „Das ist für uns der klare Arbeitsauftrag, dies rasch zu ändern und für eine faire Chancenverteilung zwischen Frauen und Männern zu sorgen“, betont die Stadträtin im Hinblick auf geplante Maßnahmen auf dem Gebiet der Frauen- und Gender Mainstreaming-Politik.
    Am Freitag, dem 4. März lädt die Stadt wieder ab 16 Uhr zum interessanten und unterhaltsamen Frauentagsevent ins Stadtmuseum. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat Ihr Kommen ebenso zugesagt wie Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer, dazu wird ein hochkarätig besetztes Podium zur spannenden Themenstellung „Gut ausgebildet, schlecht bezahlt“ diskutieren. Amüsant wird der Abend dann mit einem Kabarettprogramm der „Kernölamazonen“ ausklingen.

    „Frauen haben nach wie vor in unterschiedlichsten Bereichen mit Benachteiligungen zu kämpfen“, weiß die Stadträtin zu berichten, „angefangen von gesellschaftlichen Ressentiments bis hin zur klaffenden Einkommensschere“, so Siedl. Der Frauenbericht deckt auf: Frauen sind gut ausgebildet, sind zu einem immer größeren Teil berufstätig – und dennoch verdienen sie bis zu 18 % weniger als ihre männlichen Kollegen. „Hier müssen wir gemeinsam mit politischen EntscheidungsträgerInnen, den SozialpartnerInnen, der Wirtschaft usw. Strategien erarbeiten, um gegenzusteuern“, ist sich die Frauenpolitikerin sicher, „und deshalb lade ich alle Mädchen und Frauen, aber natürlich auch interessierte Männer ein, sich im Rahmen unserer Veranstaltung über Frauen- und Gender-Fragen zu informieren.“

    Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Frauenbericht 2010:

    Frauen verdienen weiterhin um 25,5% weniger als Männer. Dies zeigen Berechnungen der Statistik Austria im „Frauenbericht 2010“, der statistische Analysen zur Entwicklung der Situation von Frauen in Österreich enthält. Aufgeholt haben Frauen dagegen im Hinblick auf die Erwerbsquote, die 2008 bei 68,6% (1998: 61,4%) lag. Diese Zunahme ist in erster Linie auf einen Anstieg der Teilzeitarbeit zurückzuführen: 2008 arbeiteten rund vier von zehn Frauen Teilzeit (41,5%, 1998: 30,7%). Die Erwerbseinbindung von Frauen ist zentral für Armutsvermeidung: Rund 60% der alleinerziehenden Frauen, die nicht erwerbstätig sind, gelten als armutsgefährdet.

    Beobachtbare Faktoren erklären nur einen Teil der geschlechtsspezifischen Lohn- und Gehaltsunterschiede
    Gemäß dem EU-Strukturindikator „Gender Pay Gap“, der von Eurostat nach harmonisierten Standards für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union publiziert wird, beträgt das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle 25,5%. Dieser Indikator misst den relativen Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern in Unternehmen ab zehn unselbständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft.
    Berücksichtigt man beobachtbare Unterschiede wie Beschäftigungsdauer, Alter, Ausbildung, Beruf oder Branche, dann sinkt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied in Österreich von 25,5% auf 18,1%. Die Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern basieren somit zu einem Teil auf Unterschieden in der Berufserfahrung oder im Ausbildungsniveau. Ein weiterer Teil kann die berufs- und branchenspezifische Teilung des Arbeitsmarktes, wonach Frauen und Männer in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen und Berufen tätig sind, zurückgeführt werden. Der große Rest (18,1%) des geschlechtsspezifischen Verdienstgefälles kann aber auch unter Berücksichtigung all dieser Faktoren nicht erklärt werden.

    Zunahme der Frauenerwerbsquote beruht vor allem auf dem Anstieg von Teilzeit
    Während sich keine Verbesserung der relativen Einkommenssituation der Frauen abzeichnet, ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den letzten zehn Jahren gestiegen. Die Frauen-Erwerbsquote für die Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen lag 2008 bei 68,6% (1998: 61,4%) und ist damit im Zehnjahresvergleich stärker gestiegen als jene der Männer (2008: 81,4%, 1998: 80,2%). Die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit ist jedoch in erster Linie auf den starken Anstieg von Teilzeitarbeit und die rückläufige Vollzeiterwerbstätigkeit zurückzuführen. 2008 arbeiteten rund vier von zehn Frauen Teilzeit, damit liegt die Teilzeitquote von Frauen in Österreich (2008: 41,5%, 1998: 30,7%) deutlich über dem EU-Durchschnitt (2008: 31,1%).

    Teilzeit prägt vor allem die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren
    Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung häufig die einzige Möglichkeit, neben den Betreuungsaufgaben einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Bei der Gruppe der 25- bis 49-Jährigen mit Kindern unter 15 Jahren ist der Anstieg der Teilzeitquote von 39,9% (1994) auf 67,4% (2008) besonders hoch. Bei den 25- bis 49-jährigen Frauen ohne Kinder unter 15 Jahren nahm die Teilzeitquote lediglich von 19% (1994) auf 28,4% (2008) zu.
    Während bei Frauen mit der Elternschaft meist eine Reduktion der Arbeitszeit einhergeht, nimmt der Umfang der Erwerbstätigkeit bei Männern mit Kindern zu: Die Gruppe der 25- bis 49-jährigen Männer ohne betreuungsbedürftige Kinder wies 2008 eine Teilzeitquote von 6,7% aus, jene der Väter mit Kindern unter 15 Jahren eine von 4%.

    Alleinerziehende Frauen haben das höchste Armutsrisiko
    Geringe Erwerbseinbindung von Frauen und mehr Betreuungspflichten bewirken ein höheres Armutsrisiko. Bezogen auf Mehrpersonenhaushalte mit mindestens einer Frau im Erwerbsalter zeigt sich, dass Alleinerzieherinnen die am stärksten von Armutsgefährdung betroffene Gruppe sind. In Haushalten von alleinerziehenden Frauen, die nicht erwerbstätig sind, liegt die Armutsgefährdung bei rund 60%. Aber auch bei teilweiser (30%) oder voller Erwerbstätigkeit (15%) liegt das Armutsrisiko von alleinerziehenden Frauen trotz Transferleistungen über dem Durchschnitt von 12%. In allen anderen Mehrpersonenhaushalten, ausgenommen Familien mit drei und mehr Kindern, liegt das Armutsrisiko dagegen unter dem Bevölkerungsdurchschnitt, wenn die Frau erwerbstätig ist.
    (Quelle: Statistik Austria)

    Der Komplette Bericht zum Download

    Das Programm des Frauentag Wiener Neustadt:

    Die Veranstaltung findet am Freitag, dem 4. März, im Stadtmuseum Wiener Neustadt, Petersgasse 2, ab 16 Uhr statt und wird von der Stadt Wiener Neustadt bei freiem Eintritt in Kooperation mit SponsorInnen organisiert.

    Folgende interessante Programmpunkte warten auf die BesucherInnen:

    16.00 Uhr: Podiumsdiskussion zum Frauenbericht 2010 unter dem Motto „Gut ausgebildet, schlecht bezahlt“

    Impulsreferat: Dr.in Susanne Feigl (Publizistin, Dohnal-Biografin)

    DiskussionsteilnehmerInnen: Gabriele Heinisch-Hosek (Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Öffentlichen Dienst), Rudolf Hundstorfer (Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz), Mag.a Marion Carmann, MSc (Stv. Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice NÖ) und Albert Heberling (Marktleiter von Hornbach Bad Fischau)

    Moderation: Mag.a Isabella Siedl (Stadträtin für Kultur, Frauen, Archiv und Museum)

    17.30 Uhr: Buffet

    18.30 Uhr: Kabarettabend mit den „Kernölamazonen“

    20.00 Uhr: Ausklang der Veranstaltung

    Eintritt frei!
     

    Rubrik Stadtgespräch | Ausgabe 03/11

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