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    traditionsbetrieb, traditionsbetrieb

    Von der Föhnwelle zum Beckham-Style

    Kurt Trauner interessiert sich für sein Handwerk und dessen Geschichte. „Es ist auch gut, wenn man danach gefragt wird“, meint er: „Dann kommt man dazu, darüber nachzudenken.“ Das Ergebnis dieser
    Gedanken ist schnell da: Es hat sich viel verändert, denn früher war alles anders.

    Was hat sich verändert?
    Vielleicht nicht alles, aber doch vieles. Zum Beispiel war es in den 1960ern und teilweise auch später durchaus üblich, dass Frauen einmal pro Woche – oder sogar öfter­ – zum Frisör Trauner in der Zehnergasse gingen. Dort verbrachten sie meistens den halben Tag. „Die technischen Geräte waren­ damals noch nicht so leistungsfähig“, erklärt Trauner: „Da ist man schon einmal vier, fünf Stunden unter der Trockenhaube­ gesessen.“ Zeitlich war das Ganze auch kein Problem. „Die meisten Frauen haben ja nicht gearbeitet.“

    Heute müssen Haare so geschnitten sein, dass man sie zuhause möglichst einfach
    jeden Tag selbst frisieren kann. Damals war das kein Kriterium; wer jede Woche oder öfter zum Frisör ging, musste zuhause nicht einmal Haare waschen.

    Auch was die aktuelle Mode betrifft, gibt es Unterschiede zu damals. „Früher war das uniformierter“, wie sich Kurt Trauner ausdrückt: „Heute gibt es eher allgemeine Trends, wo für jeden etwas dabei ist.“ Dann wird der Pagenkopf in Schwarz genauso für „in“ erklärt wie die blonde Wallemähne.

    Was ist geblieben?
    Der erste Frisörsalon Trauner in der Zehner­gasse besteht noch heute – allerdings nicht, wie ursprünglich, in dem einstöckigen Haus, in dem er früher war. Es wurde abgerissen, als das Wohnhochhaus gebaut wurde, und der Salon übersiedelte in dessen Erdgeschoß. Heute wie damals sind die Wünsche der Kunden in einem Aspekt gleich. Der Satz: „So wie der möchte ich ausschauen“ mit Blick auf das Bild des aktuellen Superstars, ist immer noch eine Art Devise.

    „In den 70ern war es die Farah Diba*, dann die geföhnte Dauerwellenmähne aus ‚Drei Engel für Charlie’, in den 90ern kam der Look der Supermodels“, erinnert sich der 59-Jährige Trauner. Auch die Herren kamen­ bald dazu. Vorbilder waren in den 80ern die Locken von Herbert „Schneckal“ Prohaska und Hans Krankl, später dann – wieder ein Fußballer – der „Kamm“ von David Beckham. Als Frisör muss man sich also in der Popkultur auskennen, wissen, wer gerade angesagt ist – und vor allem seine (oder ihre) Frisur nachstylen können. Trauner hält seine Frisöre und Frisörinnen mit regelmäßigen Kursen über die neuen Modefrisuren auf dem Laufenden.
    Auch ein anderes Bedürfnis der Kunden, das dem Frisör ab und zu Engagement abverlangt, hat sich wenig bis gar nicht verändert: das Redebedürfnis. „Wobei das Bild vom Frisörtratsch ein Klischee ist“, sagt Trauner. Klatschgeschichten über andere seien selten. Eher redet man über breiter angelegte Themen: Männer und Frauen, zum Beispiel, Stars oder das Leben im Allgemeinen. Dabei zeige sich, findet er, welche­ Anforderungen ein Dienstleistungs­beruf stellt, in dem man viel mit Menschen zu tun hat: „Das ist schon auch eine große­ Verantwortung, wenn man großes Vertrauen­ entgegengebracht bekommt. Man muss sehr viel Einfühlungsvermögen haben und zuhören können, damit sich die Kunden wohlfühlen.“

    So ist es heute
    1983 übernahm Kurt Trauner die Geschäfte­ von seinem Vater. In der gesamten Entwicklung fällt ihm auf, dass Männer und junge Burschen sich mehr für ihr Äußeres interessieren als früher. In der Filiale in der Fußgängerzone Neunkirchner Straße, die 1968 eröffnet wurde, wurde später ein Herrensalon in dem ehemaligen Blumen­geschäft nebenan eingerichtet, um auf diesen­ Trend zu reagieren.

    Nicht nur Männer, sondern vor allem junge­ Menschen haben die „Angst vor dem Haare­schneiden“ verloren. „Früher haben die Kinder oft schon an der Tür geheult“, erinnert sich Trauner lächelnd: „Heute­ wissen­ sie ganz genau, was sie haben wollen.“­ Und sagen es auch. Dabei kommen­ natürlich immer wieder Wünsche auf, die schlicht und einfach nicht umsetzbar sind, aber: „Jugendliche sind offen für Argumente, warum etwas nicht geht.“

    2007 kam noch eine weitere Filiale in der Marktgasse dazu, insgesamt sind es jetzt drei Geschäfte. „Früher standen nur ein paar Sessel hier“, sagt Kurt Trauner, während er seinen Blick durch den Salon­ schweifen lässt. Mittlerweile sind die Frisör­salone ein kleines Unternehmen geworden. Es scheint gut zu laufen, denn obwohl kaum mehr jemand wöchentlich zum Frisör geht, ist es meistens voll. „Man gönnt sich heute etwas, wenn man zum Frisör geht. Es ist eine Zeitspanne, in der man relaxen kann, fast ein bisschen wie ein kleiner Wellness-Besuch“, so Trauner.

    Die Nachfolgefrage
    „Wos waß i“, sagt Kurt Trauner auf die Frage,­ wie es weitergeht: „Die nächsten fünf Jahre bin ich sicher noch da.“ Trauners 84-jährige Mutter sitzt noch heute jeden Tag im Geschäft und betreut die ankommenden Kunden, auch er selbst legt bei Stammkundinnen noch ab und zu Hand an. Sein 14-jähriger Sohn, ebenfalls Kurt, träumt davon, die Geschäfte zu übernehmen. Beim Erwachsenwerden ändern sich solche Wünsche hin und wieder, deshalb ist die Nachfolge noch nicht ganz gesichert. „Ich würde mir wünschen, dass es in der Familie bleibt.“
    *Frau des damaligen persischen Schahs

    Rubrik Business | Ausgabe 07-08/10

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